Denkmäler
Szydłowiec, Masowien
Das weiße Rathaus mit vier Ecktürmchen steht frei in der Mitte des Großen Marktes und ist schon aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen. Es wurde 1602–1629 aus heimischem Stein errichtet und gehört zu den am besten erhaltenen spätrenaissancezeitlichen Rathäusern Polens, obwohl es zweimal durch Kriege zur Ruine wurde. Heute sitzt hier der Bürgermeister, und Besucher können den Turm besteigen.
Das Geld für den Bau sammelten die Bürger in drei Jahren, die Arbeiten leitete Kasper Fodyga, ein Baumeister und Steinmetz aus Mesocco in Norditalien, der sich in Chęciny niedergelassen hatte. Nach Szydłowiec schickte ihn Mikołaj Krzysztof Radziwiłł „Sierotka“, für den Fodyga zuvor in Nieswisch gearbeitet hatte; derselbe Meister baute auch die Burg von Szydłowiec aus. Ihm half sein Bruder Albrecht, und im letzten Baujahr arbeitete Jan Herbek an den Gewölben, später Baumeister des Palastes der Krakauer Bischöfe in Kielce.
Im Rathaus saßen der Vogt, das Stadtarchiv und das Gericht. Angeklagte standen unter einem großen Kruzifix und lasen an den Wänden: „Gott sieht“, „Die Zeit flieht“, „Der Tod jagt“ und „Die Ewigkeit wartet“. 1809 verwüsteten österreichische Truppen das Gebäude, im Oktober 1914 sprengten österreichische Soldaten die oberen Turmgeschosse. Nach einem Bombenangriff im Januar 1945 wurde das Rathaus in den 1950er-Jahren nach einem Gemälde von Józef Szermentowski aus dem Jahr 1854 wiederaufgebaut.
Nach Magdeburger Recht steht das Rathaus genau in der Mitte des rechteckigen Marktes, die Hauptfront zeigt nach Osten. Ursprünglich führten die Türen quer durch das Gebäude, ins Obergeschoss gelangte man über eine Treppe im Turm; die heutige Außentreppe stammt aus dem Wiederaufbau nach dem Krieg. Unter dem Turm lag ein Gefängnis, im in den Fels gehauenen Keller wurde ein Café eingerichtet. Eine Chronik aus der Radziwiłł-Zeit hält das Urteil gegen eine Bürgersfrau fest, die des Ehebruchs beschuldigt wurde: Sie sollte „ausgepeitscht und verbannt“ werden.
Den Turmaufstieg organisiert die Städtische Touristeninformation des Kulturzentrums Szydłowiec – das Normalticket kostet 7 PLN, ermäßigt 5 PLN. Es gibt außerdem ein Kombiticket für 35 PLN, das unter anderem das Zentrum der Polnischen Bildhauerei in Orońsko und die historische Eisenhütte in Chlewiska einschließt. Prüfen Sie die Öffnungszeiten vor der Anreise. Für Rathaus und Markt genügen 30–45 Minuten; Burg und St.-Sigismund-Kirche liegen wenige Gehminuten entfernt.
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