Historische Orte
Szydłowiec, Masowien
Auf dem jüdischen Friedhof von Szydłowiec gleicht kein Grabstein dem anderen. Örtliche Steinmetze, die denselben Sandstein bearbeiteten wie die Erbauer von Rathaus und Pfarrkirche, meißelten Kerzen, Löwen, Hirsche, Vögel mit ihren Jungen und segnende Hände in die Mazewot. Er gehört zu den größten erhaltenen jüdischen Friedhöfen Polens und zu den bewegendsten Orten der Stadt.
Die Quellen nennen unterschiedliche Gründungszeiten: die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, als sich viele Juden ansiedelten und eine Gemeinde bildeten, oder das 18. Jahrhundert. Bestattet wurden hier nicht nur Juden aus Szydłowiec, sondern auch aus Orten ohne eigenen Friedhof, etwa aus Suchedniów, Bodzentyn und Wąchock – deshalb wuchs der Friedhof ständig.
Nach dem Krieg schlossen die Behörden den Friedhof 1957 und gaben den westlichen, ältesten Teil zur Bebauung frei. Dort entstanden ein Schulsportplatz, ein Kaufhaus und ein Möbelgeschäft. Die Grabsteine von diesem Gelände wurden auf den erhaltenen Teil gebracht und dicht in Reihen aufgestellt. Heute misst der Friedhof 2,7 Hektar. 1971 wurde eine Tafel zum Gedenken an die 16.000 im Holocaust ermordeten Juden aus Szydłowiec angebracht. 2007 übernahm die Jüdische Gemeinde Warschau den Friedhof und errichtete ein Ohel über den Gräbern der Zaddikim aus der Rabinowicz-Dynastie von Biała.
Die Inschriften sind hebräisch, obwohl die Juden von Szydłowiec im Alltag Jiddisch oder Polnisch sprachen – Hebräisch war die Sprache des Gebets. Die Texte betonen die Trauer und beschreiben den Charakter der Verstorbenen statt nur Daten zu nennen. Der Stein wurde meist zum ersten Todestag gesetzt. Einige Grabmale haben auf jüdischen Friedhöfen seltene Formen: Doppelsteine, Sarkophage oder abgesägte Baumstämme.
Der Friedhof liegt an der ul. Wschodnia im Nordosten der Stadt, etwa eine Viertelstunde zu Fuß vom Markt. Das Gelände ist eingezäunt – erkundigen Sie sich vorab in der Städtischen Touristeninformation, wie Sie hineinkommen. Männer sollten eine Kopfbedeckung tragen; am Schabbat und an jüdischen Feiertagen besucht man keine Friedhöfe. Planen Sie 30–60 Minuten ein; die Reliefs lassen sich morgens oder am späten Nachmittag am besten lesen.
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