Denkmäler
Stargard, Westpommern
Der Giebel des Rathauses von Stargard wirkt wie Spitze aus Stein: gestuft, durch Gesimse in fünf Zonen geteilt und gefüllt mit Maßwerk aus sich durchdringenden Kreisen und Spitzbögen. Hinter dieser Fassade steht eines der ältesten Baudenkmäler der Stadt, dessen Außenmauern bis zur Höhe des Erdgeschosses auf ein Kaufhaus aus dem 13. Jahrhundert zurückgehen. Jeden Tag um 12:00 erklingt vom Rathaus ein Turmsignal.
Stargard erhielt 1253 von Herzog Barnim I. das Stadtrecht und 1278 erneut nach Lübischem Recht. Laut dem Nationalen Denkmalinstitut entstand hier wohl schon in den 1260er-Jahren ein Kaufmannshaus mit einer großen zweischiffigen Halle, deren Decke abwechselnd auf Holz- und Ziegelpfeilern ruhte. Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Gebäude um ein Geschoss erhöht: Im Erdgeschoss blieb die Kaufhalle, oben entstanden Ratssaal, Gerichtssaal, Bürgermeisterzimmer, Kanzlei, Archiv und Schatzkammer. Die Hauptfassade wurde nun nach Westen, zum Markt hin, ausgerichtet.
Ein Brand 1540 zerstörte über hundert Gebäude der Stadt, darunter das Rathaus. Der Wiederaufbau wurde 1569 in Formen zwischen Gotik und Renaissance abgeschlossen: In die Erdgeschosshalle kamen Steinsäulen mit gedrehten Schäften, die Fassade erhielt einen neuen Giebel mit reichem Maßwerk. Ein weiterer Brand 1635 brachte im Osten einen frühbarocken Volutengiebel. 1896–1897 restaurierte der Stargarder Architekt D. Deneke das Rathaus.
1945 wurde das Rathaus zu rund 75 % zerstört, erhalten blieben vor allem die Außenmauern. Die Arbeiten begannen 1947 mit der Räumung, 1949 wurde der Westgiebel rekonstruiert, und nach einer Pause wurde der Wiederaufbau 1957–1961 nach einem Entwurf des Ingenieurs F. Dzierżanowski von den staatlichen Denkmalwerkstätten in Gdańsk abgeschlossen. Den gesamten Fassadenschmuck stellte man nach Zeichnungen und Fotos wieder her, das Innere erhielt jedoch eine völlig neue Aufteilung.
Das Rathaus steht an der Ostseite des Altstädter Marktes, an der Einmündung der ul. Kramarska; im Süden grenzt es an eine Hauptwache aus dem 18. Jahrhundert, die heute zum Museum gehört. Hier tagen der Stadtrat und finden Trauungen statt; laut Denkmalinstitut ist das Gebäude während der Bürozeiten zugänglich. Die Fassade sehen Sie am besten vom Markt aus; wer das Turmsignal von Waldemar Cieślak hören möchte, sollte vor 12:00 da sein. 15–20 Minuten genügen.
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