Paläste
Milicz, Niederschlesien
Das Schloss Militsch (Milicz) ist ein klassizistischer Bau der Grafen von Maltzan im Bartschtal, rund 60 Straßenkilometer nördlich von Breslau (Wrocław). Mit Kuppeln und Säulenportikus erinnert es an die Potsdamer Schlösser, umgeben von einem großen Landschaftspark mit altem Baumbestand und einer mittelalterlichen Burgruine. Heute ist hier eine Forstschule untergebracht, kein Museum – doch Höfe und Park lohnen sich als Station bei einem Ausflug in die Teichlandschaft der Bartsch.
Die Familie von Maltzan besaß die Standesherrschaft Militsch ab 1590; ihr älterer Sitz war die gotische Burg an der Bartsch. Das heutige Schloss entstand 1797–1798 nach Plänen von Karl Geissler für Joachim Karl von Maltzan. 1910 kam der Südflügel hinzu. Wer Sanssouci und das Neue Palais kennt, wird Parallelen in der Gestaltung entdecken.
Eng mit dem Ort verbunden ist Maria Gräfin von Maltzan, geboren hier am 25. März 1909. In Berlin versteckte sie während der NS-Zeit Verfolgte, darunter den jüdischen Schriftsteller Hans Hirschel, und half bei der Beschaffung falscher Papiere. 1987 ehrte Yad Vashem sie als Gerechte unter den Völkern. Ihre Erinnerungen „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“ (1986) machten sie bekannt; der Film „Versteckt“ (1984) ist lose von ihrem Leben inspiriert.
Nach 1945 kam Militsch zu Polen. Im Schloss arbeitet heute das Forsttechnikum (Technikum Leśne) im. Prof. Władysław Jedliński.
Im Inneren ist ein elliptischer Ballsaal mit hölzernen ionischen Säulen erhalten. Da das Haus eine Schule ist, gibt es keine regulären Führungen; Gruppen können im Sekretariat nachfragen.
Für Höfe, Park und Ruine solltest du 60–90 Minuten einplanen. Ein Lehrpfad mit 9 Stationen führt durch das Gelände; Audiotexte bietet die Tourismus-App des Bartschtals (überwiegend polnisch). An Schultagen bitte Rücksicht nehmen und die Gebäude nicht ohne Erlaubnis betreten. Besonders schön ist es im Frühling und im Herbst.
Von Breslau sind es etwa 60 km über die Landstraße, mit dem Auto rund eine Stunde. Aus Görlitz oder Dresden bietet sich die Kombination mit einem Breslau-Aufenthalt an. Vom Stadtzentrum führt die Piłsudskiego-Straße durch das Löwentor in den Park. Ganz in der Nähe liegen die Militscher Teiche im Landschaftspark Bartschtal – eines der bekanntesten Vogelbeobachtungsgebiete Polens.
Stand: Oktober 2026 – Park und Höfe sind von außen frei zugänglich; offizielle Öffnungszeiten oder Eintrittspreise für die Innenräume haben wir nicht gefunden. Bezahlt wird in Złoty (PLN). Für einen Blick ins Schloss vorher bei der Forstschule anfragen.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026