Paläste
Pietrowice Wielkie, Schlesien
Schloss Krowiarki (Preußisch Krawarn) in der Gemeinde Pietrowice Wielkie, nordwestlich von Racibórz (Ratibor), gehört zu den größten Residenzen Oberschlesiens: rund 6.500 m² Fläche, 115 Säle und 30 Keller, die ein unterirdisches Labyrinth bilden. Das Nationale Institut für Kulturerbe bezeichnet die Fassade mit Türmen, Mansarddächern und einem Jugendstilflügel aus Backstein als Konglomerat der Stile vom Manierismus bis zum Jugendstil. Der einstige Sitz der Familien Strachwitz, Gaschin und Henckel von Donnersmarck ist in Privatbesitz und wird schrittweise saniert; von außen beeindruckt er durch seine Größe und den 17,5 Hektar großen Park.
Ein hölzernes Schloss in Krowiarki wird 1678 erwähnt, als das Dorf der Familie von Beess gehörte (seit 1564). Später ging das Gut an Leopold Paczyński und 1798 an Karl Strachwitz. 1826 begann sein Erbe Johann M. Strachwitz, testamentarisch verpflichtet, mit dem Bau eines gemauerten Schlosses, den ab 1840 Ernst Joachim Strachwitz fortsetzte. 1843 kaufte Amand Leopold von Gaschin das Dorf, und 1852–1877 wurde das Schloss umgebaut und ein neuer Park angelegt.
1877 übergab Fanny von Gaschin das Gut ihrer Tochter Wanda, Ehefrau von Hugo II. Henckel von Donnersmarck, womit es an dieses Geschlecht fiel. Nachdem 1892 der hölzerne Nordteil abgebrannt war, entstand 1898 ein neuer Jugendstilflügel. Hugo und Wanda lebten hier bis 1905/1906 und zogen dann nach Brynek; letzter Besitzer aus der Familie war 1939–1945 Hans II. Henckel-Gaschin. Das Schloss überstand den Krieg unversehrt, beherbergte später ein Kinderheim und einen Kindergarten, 1963–1970 ein Reha- und Orthopädiekrankenhaus. Ab 1970 verfiel es. 2007 wechselte der Eigentümer, und eine schrittweise Sanierung begann: neue Decken, Balken und Dacheindeckungen, Konservierung von Gesimsen und Rosetten; die einsturzgefährdeten Türme wurden dokumentiert und abgetragen.
Im Ballsaal, dem „blauen Salon", hingen einst Porträts der habsburgischen Kaiserfamilie, die Christian Philipp van Bentum 1735 gemalt hatte. Im Speisesaal zieren Wappen unter anderem der Lichnowsky, Radziwiłł und Lobkowicz die Eichenvertäfelung, außerdem ist ein maurischer Saal mit Hufeisenbögen erhalten. Beim einstigen Holzkirchlein im Park steht eine barocke Figur des hl. Johannes Nepomuk aus dem 18. Jahrhundert von Johannes Nitsche aus Troppau.
Laut dem Nationalen Institut für Kulturerbe ist die Anlage von außen zugänglich, die Innenräume können nach Absprache mit dem Eigentümer besichtigt werden. Die alte Zufahrt mit Torhaus liegt am Fuß der Böschung außerhalb des Schlossgeländes; heute führt der Zugang von der Gutshofseite im Norden. Für Park und Rundgang um das Schloss sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Gut verbinden lässt sich der Besuch mit dem nahen Racibórz; parken Sie so, dass die Zufahrt zum Gutshof frei bleibt.
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