Paläste
Żory, Schlesien
Vor nicht allzu langer Zeit regnete es durch das löchrige Dach des Schlosses Baranowice, und die Mauern sogen sich mit Feuchtigkeit voll. Heute ist die restaurierte Residenz am Rand eines Parks mit uralten Eichen Kulturhaus, Galerie und Werkstattort – und ihre Geschichte reicht vom „Schloss“ der Familie Trach im 17. Jahrhundert über die Familie von Durant bis zu einer Schule, die ausziehen musste, weil eine Decke eingestürzt war.
Ältester Teil des Schlosses sind drei Räume mit Kreuzgewölben – Reste eines gemauerten Herrenhauses, das hier im 17. Jahrhundert die Familie Trach errichtete, Besitzer des Gutes seit 1556. Anfang des 19. Jahrhunderts ging das Gut an die Familie von Durant de Sénégas über, die Baranowitz (so der deutsche Name) über hundert Jahre ununterbrochen besaß. Emil von Durant, Landrat des Kreises Rybnik, baute den Sitz zu einem klassizistischen Schloss mit zwei eingeschossigen Seitenflügeln aus und legte einen großen Landschaftspark im englischen Stil an. 1914 kaufte die Bergbaugesellschaft Georg von Giesche's Erben das Gut, und das Schloss diente als Erholungsheim für Beschäftigte der Grube in Nikiszowiec.
Die spannendste Gestalt des Hauses ist Elsa von Durant, die „letzte Baronin“, die hier Kindheit und Jugend verbrachte. Sie sammelte Kunst – zu ihrer Sammlung gehörten Werke von van Gogh, Cézanne und Gauguin – und war selbst Künstlerin: Rund 130 ihrer Gemälde, Zeichnungen und Grafiken sind bekannt. Ihr Leben prägten zwei Weltkriege, eine Scheidung und der Tod ihrer Tochter; ihre letzten Jahre verbrachte sie allein in einer einfachen Holzhütte, und 1954 schrieb sie in einem Brief von einer Armut, die sie nie für möglich gehalten hätte.
Ab 1951 war im Schloss eine Grundschule untergebracht. In den 1980er-Jahren verfiel das Gebäude; bei der Renovierung der Turnhalle 1984/85 stürzte eine Decke ein, und 1986/87 erklärten Gutachter das Haus für den Schulbetrieb ungeeignet. Ein privater Eigentümer ließ nichts reparieren, deshalb beschloss die Stadt Żory 2007, Schloss und Park zurückzuholen. Die umfassende Restaurierung lief 2019–2023; das von der EU kofinanzierte Projekt hatte einen Umfang von über 36 Mio. PLN.
Das Schloss (ul. Zamkowa 97) wird vom Städtischen Kulturzentrum Żory betrieben. Im Haus gibt es ein Café mit Restaurant, dazu eine Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses und Wechselausstellungen; in den Sälen finden Konzerte, Workshops und Heimatkunde-Kurse statt. Der Park mit geschützten Eichen, beleuchteten Bänken und Alleen steht für Spaziergänge offen. Planen Sie für Schloss und Park 1–1,5 Stunden ein und prüfen Sie das aktuelle Programm auf der Website des Schlosses.
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