Natur
Kroczyce, Schlesien
Oben in einem Kalkfelsen im Dorf Piaseczno klafft ein Fenster von etwa 7 × 5 m – daher der Name Okiennik Wielki, frei übersetzt „Großer Fensterfels“, eines der Wahrzeichen des nördlichen Krakau-Tschenstochauer Jura. Unter dem Fenster fanden Archäologen Werkzeuge von Menschen, die vor rund 60.000 Jahren hier lebten, und um den Felsen ranken sich Geschichten über eine mittelalterliche Burg und den Räuber Malarski. Heute ist er zudem einer der beliebtesten Kletterfelsen der Region.
Okiennik Wielki (auch Okiennik Duży oder Okiennik Skarżycki genannt) ist eine Gruppe von Kalkfelsen in Piaseczno, Gemeinde Kroczyce, direkt an der Grenze zu Skarżyce. Am bekanntesten ist der Fensterfels; seine höchste Wand nennen Kletterer Ściana Czołowa (Stirnwand), etwa 35 m hoch. Unter dem Fenster liegt die Höhle Schron w Okienniku Wielkim, daneben zwei weitere: Komin und Szczelina. Das gesamte Massiv ist als Geotop geschützt.
Im Schron entdeckten Archäologen Feuersteinwerkzeuge aus dem Mittelpaläolithikum, etwa 60.000 Jahre alt und der Micoquien-Kultur zugeordnet – ein Beleg, dass hier prähistorische Menschen wohnten. Viel später, nach Ansicht von Historikern um das 12.–13. Jahrhundert, stand am Fuß der Felsen eine hölzerne Wehrburg; Mauerspuren waren noch im 19. Jahrhundert zu sehen. Der Fensterfels soll als Bergfried gedient haben, und ein ins Fenster gehauenes Loch hielt vermutlich eine Schutzkonstruktion aus Holzbalken.
Die Gemeinde Kroczyce erzählt die Legende von Malarski, dem „Janosik des Jura“ – einer Art Robin Hood der Gegend. Er soll in den Felsen des Okiennik gehaust, die Reichen beraubt und den Armen gegeben haben; getötet habe er nie, nur Streiche gespielt. Die Geschichten überlebten in umliegenden Dörfern wie Ryczów und fanden Eingang in die Literatur des 19. Jahrhunderts. Der Sage nach scheucht sein Geist bis heute Pferde auf der Straße nach Kroczyce.
Die ersten belegten Begehungen stammen aus dem Jahr 1962, der eigentliche Boom kam in den 1980er-Jahren. In der Felsgruppe – darunter Bliźniacza Baszta, Igła nad Przechodem, Muminek und Śląski Filar – gibt es rund 110 Routen von III bis VI.7+ nach der polnischen Kurtyka-Skala. Die meisten sind mit Bohrhaken abgesichert, es gibt aber auch Clean-Routen; für einige Routen der Stirnwand braucht man ein 70-m-Seil.
An den Felsen führen zwei Wanderwege vorbei: der rote Adlerhorst-Weg (weiter zur Burgruine Morsko und zum Góra Zborów) und der Skarżyce-Weg vom Bahnhof Zawiercie Borowe Pole. Für einen Rundgang mit Blick zum Fenster genügen 45–60 Minuten. Die Felsen sind nicht eingezäunt und die Kanten können rutschig sein – bleiben Sie mit Kindern auf den Wegen und steigen Sie ohne Ausrüstung und Erfahrung nicht höher.
Eintritt frei
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