Kirchen & Klöster
Nowa Słupia, Heiligkreuz
Unter der Basilika auf dem Święty Krzyż (Heiligkreuzberg), dem Gipfel der Łysa Góra, liegen in offenen Särgen die mumifizierten Leichname früherer Klosterbewohner. Im Zentrum der Gruft ruht eine Gestalt in Adelstracht mit Żupan und Mantel, Streitkolben und Säbel – der Überlieferung nach Fürst Jeremi Wiśniowiecki, ein Held aus Henryk Sienkiewiczs Roman „Mit Feuer und Schwert". Ob er es wirklich ist, darüber streiten Historiker seit Jahrzehnten.
Jeremi Michał Korybut Wiśniowiecki – ab 1646 Woiwode von Ruthenien und einer der berühmtesten Heerführer der Kosakenkriege – starb am 20. August 1651 im Feldlager bei Pawolotsch, kurz nach dem Sieg bei Beresteczko. Testamentarisch wünschte er ein Begräbnis im Familiensitz Wiśniowiec, doch dazu kam es nie. Sein Leichnam wurde vorübergehend in Sokal beigesetzt und, als sich die Kosaken der Stadt näherten, im September 1653 auf den Święty Krzyż gebracht und in der Grabstätte seiner Verwandten, der Familie Oleśnicki, bestattet. Über dreieinhalb Jahrhunderte stand der Sarg in der Oleśnicki-Kapelle; 2007 kam er in die Gruft unter der Kirche, die seit einem Brand im Jahr 1806 verschlossen gewesen war.
Da keine Bestattungsunterlagen erhalten sind, hielt man den Leichnam im mittleren Sarg für Jeremi. Schon in der Zwischenkriegszeit vertrat sein Biograf Władysław Tomkiewicz die Ansicht, die echten Gebeine seien beim Brand von 1777 verbrannt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung von 1980 deutete auf einen größeren und älteren Mann hin. Das regionale Tourismusportal von Kielce verweist dagegen auf neuere Analysen, die für die Echtheit sprechen sollen: Größe und Gewicht passen zu zeitgenössischen Beschreibungen, und der Sarg war für einen langen Transport vorbereitet. Die Frage bleibt offen – und genau deshalb bleibt jeder Besucher vor der Glasscheibe stehen.
Gegründet wurde die Abtei von Benediktinern; Berg und Kloster verdanken ihren Namen den Reliquien vom Heiligen Kreuz, die seit 1723 in der Oleśnicki-Kapelle aufbewahrt werden. Im 19. Jahrhundert machten die zaristischen Behörden aus der Abtei ein Gefängnis, seit 1936 betreuen die Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria das Kloster.
Dies ist kein Wachsfigurenkabinett – hier liegen echte menschliche Überreste, darauf sollten Sie kleine Kinder vorbereiten. Für die Gruft genügen 20–30 Minuten; verbinden Sie den Besuch mit der Basilika, der Reliquienkapelle und dem Weg zum Blockmeer (Gołoborze) am Berghang. Die Öffnungszeiten hängen von Jahreszeit und Gottesdiensten ab – prüfen Sie sie vor der Anreise.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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