Kirchen & Klöster
Krakau, Kleinpolen
Die meisten Besucher am Marienplatz schauen nach oben zu den Türmen der Marienkirche — und gehen an der kleineren Kirche auf der anderen Seite des Platzes vorbei. Dabei erwarten Sie in der St.-Barbara-Kirche eine steinerne Pietà aus dem späten 14. Jahrhundert, ein geschnitzter Ölberg aus dem Umkreis von Veit Stoß und das Grab des Bibelübersetzers Jakub Wujek. Außerdem wird hier jeden Sonntag eine Messe auf Deutsch gefeiert — eine Tradition mit langer Vorgeschichte.
Das älteste Dokument stammt vom 5. September 1338: Der Stadtrat bat Papst Benedikt XII. um Ablässe für Besucher einer Friedhofskapelle, die Nikolaus Wierzynek gestiftet hatte. Der Marienplatz war damals der Pfarrfriedhof. 1394–1402 wurde die Kapelle um zwei Joche erweitert, vermutlich dank einer Stiftung von Königin Hedwig. Im 16. Jahrhundert, als in der Marienkirche deutschsprachige Bürger den Ton angaben, wurde in St. Barbara polnisch gepredigt; 1536/37 ordnete König Sigismund der Alte einen Tausch an — die Polen kehrten in die Marienkirche zurück, die Deutschen zogen hierher.
1583 übernahmen die Jesuiten die Kirche, und hier predigte Pater Piotr Skarga. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 verwaltete die Kaufmannskongregation die Kirche, ab 1796 die Grabesritter-Kanoniker. Die Jesuiten kehrten 1874 zurück und sind bis heute hier.
Das Innere wurde 1688–1692 barockisiert, der Dachreiter wird Francesco Placidi zugeschrieben. Unter der Kirche ruht Pater Jakub Wujek, dessen Bibelübersetzung in Polen über drei Jahrhunderte lang verwendet wurde.
Nach 1945 gab es in Krakau über ein halbes Jahrhundert lang keine deutschsprachigen Gottesdienste. Seit 1997 wird in St. Barbara an Sonn- und Feiertagen wieder eine Messe auf Deutsch gefeiert — laut Website der Gemeinde um 14:30 Uhr. Die Orgel der Firma Rieger stammt von 1894 und hat 16 Register, die beiden Glocken wurden 1589 und 1595 gegossen.
Die Kirche liegt am Mały Rynek 8, den Haupteingang durch den Ölberg finden Sie auf der Seite des Marienplatzes. Sie ist eine aktive Kirche mit Messen werktags um 16:00, 18:00 und 20:00 Uhr und sonntags den ganzen Tag über, besuchen Sie sie also zwischen den Gottesdiensten und leise. Für Ölberg und Innenraum genügen 20 Minuten, der Besuch lässt sich gut mit der Marienkirche und einem Bummel über den Mały Rynek verbinden. Im Sommer lohnt ein Blick in den Konzertkalender für geistliche Musik auf der Website der Kirche.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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