Kirchen & Klöster
Iława, Ermland-Masuren
1940 holten die Einwohner von Iława (Deutsch Eylau) ihre Glocken aus dem 18. Jahrhundert vom Turm und gaben sie zum Einschmelzen für die Rüstungsindustrie ab. Doch die Glocken überdauerten: 1952 entdeckte sie Pastor Schäffer aus Osterode am Harz auf dem Hamburger „Glockenfriedhof“, und am 27. Mai 2006 läuteten sie wieder in Iława. Sie hängen im Turm der Backsteinkirche der Verklärung Christi, von den Einheimischen einfach „rote Kirche“ genannt – des ältesten Baudenkmals der Stadt.
Die gotische Kirche entstand 1317–1325 auf dem höchsten Punkt des Altstadthügels. Sie wurde in die Südostecke der Stadtmauer eingefügt – Süd- und Ostwand setzen die Befestigung fort, sodass die Kirche auch Verteidigungszwecken dienen konnte. In den Quellen erscheint sie 1324, als der erste Pfarrer Andreas als Zeuge auftritt. Die Pfarrei stand unter dem Patronat des Deutschen Ordens, doch um die Kirche kümmerten sich vor allem die Bürger, unter anderem in der Fronleichnamsbruderschaft. Ab 1525 nutzten sie die Protestanten, nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie an die katholische Kirche zurück. Seit 1952 betreuen sie die Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria.
Der 27 Meter hohe Turm kam 1550 hinzu. Ein großer Stadtbrand in der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1706 beschädigte die Kirche schwer; repariert wurde sie erst 1730 – auf eigene Kosten von Graf Finckenstein, dem Erbhauptmann von Deutsch Eylau. Der letzte große Umbau erfolgte 1903–1905. 1949 wurde die Kirche als erstes Baudenkmal von Iława unter Denkmalschutz gestellt.
Unter dem Altar liegen zwei Grüfte. Dort ruhen unter anderem die einbalsamierten Leichname von Wilhelm Albrecht von Finckenstein (gest. 15. April 1752) und seiner Frau Hedwig Elisabeth, geb. Rippin, die zweieinhalb Monate vor ihm starb. 1800 wurden die Grüfte zugemauert und keine Bestattungen mehr vorgenommen. Vor der Kirche wächst eine Eiche, die 1871 zur Feier des preußischen Sieges über Frankreich gepflanzt wurde – gegen den Protest des damaligen Pfarrers.
Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche ohne feste Besichtigungszeiten – den Innenraum sehen Sie am einfachsten vor oder nach der Messe. Laut Website der Pfarrei finden an Sonn- und Feiertagen Messen um 7:00, 8:30, 10:00, 11:30 (für Kinder), 13:00 und 18:00 Uhr statt, im Juli und August zusätzlich um 21:00 Uhr; werktags um 7:00 und 18:00 Uhr. Adresse: ul. Kościelna 1. Für Kirche und Umgebung reichen 30–45 Minuten. Abends ist der Bau angestrahlt, in der Nähe sind Reste der Stadtmauer und des mittelalterlichen Grabens sowie das neugotische Pfarrhaus von 1902–1903 erhalten.
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