Kirchen & Klöster
Drohiczyn, Podlachien
Im 18. Jahrhundert tagten unter diesen Gewölben die Landtage des Adels von Podlachien, im Zweiten Weltkrieg diente die Kirche als Pferdestall und später als Schießstand. Heute ist die barocke Jesuitenkirche über dem Bug die Kathedrale des Bistums Drohiczyn, und 1999 betete hier Papst Johannes Paul II. Sie ist der beste Ausgangspunkt, um Drohiczyn kennenzulernen — ein Städtchen, das jahrhundertelang zu den wichtigsten Zentren Podlachiens im Osten Polens gehörte.
Der Überlieferung nach gründete Władysław Jagiełło, Großfürst von Litauen und König von Polen, die Dreifaltigkeitspfarrei Ende des 14. Jahrhunderts auf einem Hügel namens Poświętne. Die erste gemauerte Renaissancekirche entstand 1555, wurde aber am 3. Mai 1657 während der schwedischen Invasion („Sintflut") von den Truppen Georgs II. Rákóczi aus Siebenbürgen zerstört. Die Pfarrei ging daraufhin an die Jesuiten, die 1654 nach Drohiczyn gekommen waren. Nach 1696 begannen sie mit dem Bau der heutigen Kirche, angestoßen und aus seinem Familienerbe finanziert von Pater Aleksander Żardecki. Fertig war sie 1709, die Ausstattung stiftete der Kastellan von Podlachien Wiktoryn Kuczyński, geweiht wurde sie am 10. Januar 1723.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens übernahmen die Piaristen Kolleg und Pfarrei, nach Schließung ihres Klosters 1845 der Diözesanklerus. Laut Pfarrei war dies die einzige Kirche in Drohiczyn, die die zaristischen Behörden nicht schlossen. Am schlimmsten wurde es 1939–1941: Die sowjetischen Besatzer zerhackten die Barockaltäre und richteten im Inneren einen Pferdestall ein. Die Deutschen nutzten die Kirche 1941–1944 als Schießstand. Der Wiederaufbau zog sich nach dem Krieg über Jahre hin, und am 5. Juni 1991, mit der Gründung des Bistums Drohiczyn, wurde die Kirche zur Kathedrale.
Die Kathedrale ist eine dreischiffige Backsteinbasilika, das Mittelschiff überspannt ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Der Krieg vernichtete den größten Teil der barocken Ausstattung — der Hochaltar wurde nie rekonstruiert, der heutige stilisierte Altar zeigt Bilder der Dreifaltigkeit und der Muttergottes von Ostra Brama (dem Tor der Morgenröte in Vilnius). Einige wertvolle Stücke blieben jedoch erhalten:
In der Gruft, wo einst Woiwoden und Kastellane Podlachiens bestattet wurden, ruhen unter anderem Mitglieder der Familie Kuczyński, Bischof Kazimierz Bukraba von Pinsk und der erste Bischof von Drohiczyn, Władysław Jędruszuk. An seinem Grab betete Johannes Paul II. am 10. Juni 1999. Neben der Kathedrale steht ein Glockenturm von 1885 aus den Ziegeln eines abgerissenen Klosterflügels, im ehemaligen Jesuitenkolleg befinden sich heute Kurie und Priesterseminar.
Die Kathedrale liegt an der ul. Kościelna im historischen Zentrum und ist eine aktive Pfarrkirche; besichtigen Sie sie daher außerhalb der Gottesdienste. Für die Kirche genügen 30–45 Minuten, für Drohiczyn sollten Sie einen halben Tag einplanen. Sehenswert sind auch die ehemalige Franziskanerkirche mit dem Diözesanmuseum im Kloster, die Kirche der Benediktinerinnen und der Burgberg über dem Bug.
Drohiczyn hat zudem ein bemerkenswertes mittelalterliches Kapitel. Den Überlieferungen nach empfing hier 1253 Fürst Daniel Romanowitsch von einem päpstlichen Legaten die Krone eines Königs der Rus — in einer älteren Kirche, die an der Stelle der späteren Franziskanerkirche stand.
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