Festungen
Karłów, Niederschlesien
Auf dem Gipfel des Vogelbergs (Góra Ptak, 841 m), zehn Gehminuten von der Straße der Hundert Kurven entfernt, stehen die Reste einer preußischen Wachburg von 1790. Von ihrer Felsplattform aus wirken die Große Heuscheuer (Szczeliniec Wielki) und Karłów wie ein Modell. Das Fort Karl sollte die Grenze zu Österreich bewachen – und sein Bau bescherte dem Heuscheuergebirge etwas ganz Unerwartetes: den ersten amtlich ernannten Bergführer der Geschichte.
Das Fort entstand auf Befehl von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen als kleine Wachstation mit einer Besatzung von wenigen Mann. Es sollte die preußisch-österreichische Grenze und die Straße nach Radków, die heutige Straße der Hundert Kurven, sichern und mit der Festung Silberberg (Srebrna Góra) zusammenwirken. Erbauer war Bonaventura von Rauch, unterstützt von seinem Sohn Gustav, frisch von der Ingenieurakademie in Potsdam und später preußischer General und Kriegsminister. Benannt wurde das Fort nach Kaiser Karl VI.
Rauch half der Schultheiß von Karłów, Franz Pabel. Zum Dank für seine Verdienste beim Bau wurde Pabel zum ersten amtlich ernannten Bergführer der Geschichte, mit dem Recht, von Touristen Gebühren zu erheben. Damals wurden auf der Heuscheuer und im Fort Aussichtsterrassen zugänglich gemacht. Politische Veränderungen stoppten die Arbeiten, im 19. Jahrhundert wurde das Fort aufgegeben und verfiel.
Der Nationalpark Heuscheuergebirge erklärt in seiner Tourismusstrategie, warum so wenig erhalten ist: Ende des 18. Jahrhunderts entstanden auf dem Vogelberg ein Fort und eine Geschützstellung, am Kleinen Heuscheuer ein Blockhaus – alles halbpermanente Befestigungen, großteils aus Erde und Holz. Erhalten sind vor allem die steinernen Teile.
Das Fort sitzt am Rand des Nordhangs, der in senkrechten Wänden einige Meter abfällt. Der Hügel ist mit Fichtenwald bedeckt; die Aussicht öffnet sich erst auf der Plattform.
Der kürzeste Weg beginnt am Fuchspass (Lisia Przełęcz) an der Straße der Hundert Kurven: Vom Parkplatz sind es etwa 10 Minuten zu Fuß, der Besuch dauert insgesamt 20–30 Minuten. Am Fort führt der gelbe Wanderweg von Duszniki-Zdrój nach Karłów vorbei. Bei Sonnenuntergang ist der Ort beliebt, denn dann fällt das Abendlicht auf die Heuscheuer. Geländer und Handläufe an der Fortterrasse führt der Park selbst als reparaturbedürftig auf – Vorsicht an der Kante, besonders mit Kindern. Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit den Felsen Narożnik und Białe Skały oder mit dem Aufstieg auf die Große Heuscheuer von Karłów aus.
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