Kirchen & Klöster
Wiślica, Heiligkreuz
Links vom Eingang der Basilika in Wiślica steht ein quadratischer Turm, dessen obere Hälfte ein Gitter aus dunklen Ziegelrauten überzieht. Gestiftet hat ihn Jan Długosz – Chronist, Kanoniker und Erzieher der Königssöhne –, und unter dem Dach ließ er eine Art steinerne politische Landkarte seiner Zeit anbringen: einen Fries mit den Wappen der Krone Polen, Litauens, des Bischofs Oleśnicki und mehrerer Adelsgeschlechter.
Der Glockenturm entstand 1460–1470, zur gleichen Zeit, als Długosz nebenan das Haus für die Vikare und Kanoniker der Stiftskirche stiftete (heute Długosz-Haus genannt). Der Chronist war seit den 1440er-Jahren mit Wiślica verbunden; auf seine Initiative wurde 1464 über dem Südportal der Basilika eine Tafel angebracht, die an die Stiftung König Kasimirs des Großen erinnert. Der Turm hatte wenig Glück mit Feuer und Krieg. 1858 brannte er so stark aus, dass die Glocken schmolzen; nach dem Wiederaufbau 1872 erhielt er einen neugotischen Helm. Im Ersten Weltkrieg beschoss ihn die österreichische Artillerie, und bei der Reparatur 1919 wurde der Helm aus dem 19. Jahrhundert nicht wiederhergestellt.
Der Turm hat einen quadratischen Grundriss und vier Geschosse. Der untere Teil besteht aus Kalksteinquadern, der obere aus Ziegel mit einem Rautenmuster aus Zendrówka – hart gebranntem, dunkel glasiertem Ziegel. Im Turm hängen drei Glocken, die nach dem Zweiten Weltkrieg gestiftet wurden und die Namen Jan, Maria und Paweł tragen. Achten Sie von außen auf:
Der Glockenturm gehört zu einem Ensemble, das 2018 – zusammen mit der Basilika, den Resten der Nikolauskirche und dem frühmittelalterlichen Burgwall – zum Geschichtsdenkmal erklärt wurde, der höchsten nationalen Denkmalkategorie Polens. Daneben steht das gotische Długosz-Haus von 1460 mit Backsteingiebeln und steinernen Schilden mit dem Wappen Wieniawa; der Überlieferung nach wurden hier die Söhne König Kasimirs IV. Jagiełło unterrichtet. Das Archäologische Museum in Wiślica (eine Abteilung des Nationalmuseums Kielce) führt auf einem Rundweg um die Basilika bis in ihre Unterkirche, wo Reste zweier romanischer Kirchen und die Orantenplatte aus dem 12. Jahrhundert erhalten sind.
Den Glockenturm besichtigen Sie von außen und ohne Eintritt – 10–15 Minuten genügen. Den Fries liest man am besten vom Platz vor der Westfassade der Basilika, bei Morgen- oder Nachmittagssonne, wenn das Relief der Wappen Schatten wirft. Für ganz Wiślica mit Museum und Unterkirche sollten Sie 2–3 Stunden einplanen. Der Ort liegt etwa 15 km südlich von Busko-Zdrój an der Woiwodschaftsstraße 776; eine Bahnverbindung gibt es nicht, Sie kommen mit dem Bus aus Busko, Kielce oder Krakau oder mit dem Auto.
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