Museen
Wiślica, Heiligkreuz
Ein halbes Jahrhundert lang galt eine flache Gipsmulde mit 4,2 Metern Durchmesser als Beweis dafür, dass das Christentum Wiślica fast hundert Jahre vor der Taufe des ersten polnischen Herrschers Mieszko I. im Jahr 966 erreicht hatte. Heute weiß man, dass es sich um einen der berühmtesten Irrtümer der polnischen Archäologie handelt – und genau deshalb lohnt sich der Besuch. Die Reste des „Taufbeckens“ und der romanischen Nikolauskirche zeigt das Archäologische Museum Wiślica, eine Abteilung des Nationalmuseums Kielce.
Die Reste wurden bei Grabungen von 1958 bis 1965 in der Batalionów-Chłopskich-Straße freigelegt, durchgeführt von einem Forschungsteam zur polnischen Mittelalterarchäologie unter der Leitung von Zofia Wartołowska. Man fand ein Becken aus gebrochenem Gips auf einem Gipsfelsen, mit einem Lehmpodest an der Nordseite und Spuren verbrannter Pfähle zu beiden Seiten. Hinter der Pfahlreihe lagen drei in den Fels gehauene Gräber. Erhalten sind etwa zwei Drittel des Beckens, den Rest zerstörte das Fundament der Nordmauer einer späteren kleinen Kirche. Nach den 1967 veröffentlichten Messungen war das Becken 28 cm tief, der flache Rand etwa 30 cm breit, und der Umriss erinnerte an einen Ausschnitt eines Achtecks.
Die Funde wurden als Becken für Massentaufen mit hölzerner Einfassung gedeutet und in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts datiert. Das passte zur Legende von der Taufe eines Fürsten der Wislanen um 880 im slawischen Ritus und zu einer Stelle in der Vita des heiligen Methodius über die erzwungene Taufe eines heidnischen Fürsten. Wiślica galt damit als ältester bekannter Taufort auf polnischem Boden. Untersuchungen im Jahr 2021 widerlegten diese Annahme: Das Objekt entstand frühestens im 11. Jahrhundert, und seine Form geht zu einem großen Teil auf eine mangelhaft durchgeführte Grabung zurück.
Neben dem Becken sind die Fundamente der kleinen rechteckigen Nikolauskirche zu sehen, die mit einer Apsis schließt und im Opus spicatum errichtet wurde, also mit Steinen im Fischgrätmuster. Keramikfunde datieren sie frühestens ans Ende des 11. oder an den Anfang des 12. Jahrhunderts. An die Kirche wurde eine Grabkapelle angebaut, in der ausschließlich Frauen bestattet waren – im Mittelalter eine Seltenheit. Abgerissen wurde die Kirche noch im Mittelalter, als man die Stadtbefestigung errichtete.
Die Reste sind im neuen archäologischen Pavillon am Plac Solny ausgestellt. Von dort führt eine über 150 Meter lange unterirdische Route unter die Stiftsbasilika. Dort wartet ein romanischer Fußboden mit eingeritzten betenden Figuren aus der Zeit um 1175, und zum Abschluss geht es ins Długosz-Haus mit gotischen Wandmalereien. Besichtigt wird nur mit Führung oder Audioguide, in Gruppen von bis zu 25 Personen, die alle 30 Minuten eingelassen werden; Tickets lassen sich online reservieren. Unterirdisch herrschen etwa 18 °C, nehmen Sie also auch im Sommer etwas Warmes mit. Für die gesamte Route sollten Sie rund eine Stunde einplanen; aktuelle Öffnungszeiten und Preise finden Sie auf der Website des Nationalmuseums Kielce.
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