Historische Orte
Kazimierz Dolny, Lublin
An einem bewaldeten Schluchthang in der Czerniawy-Straße, etwa 950 m südöstlich des Marktplatzes, liegt der neue jüdische Friedhof von Kazimierz Dolny. Sein Erkennungszeichen ist das Lapidarium – eine Wand aus mehreren Hundert Mazewot-Fragmenten, durchzogen von einem Riss, der den Bruch der Schoah ausdrücken soll. Ein Ort der Stille und der Erinnerung an eine Gemeinde, die die Stadt über Jahrhunderte mitgeprägt hat.
Die ersten Erwähnungen von Juden in Kazimierz stammen von 1406. Auf Jiddisch hieß die Stadt Kuzmir, im 19. Jahrhundert begründete Rebbe Jechezkel Taub hier die chassidische Dynastie von Kuzmir. 1921 lebten 1.382 Juden in der Stadt, 41 % der Bevölkerung. 1940 errichteten die Deutschen ein Ghetto für etwa 2.000 Menschen; im März 1942 wurde es aufgelöst und die Bewohner ins Ghetto Opole Lubelskie deportiert. Die meisten Juden aus Kazimierz wurden 1942 im deutschen Vernichtungslager Bełżec ermordet.
Den älteren Friedhof an der Lubelska-Straße zerstörten die Deutschen zu Kriegsbeginn – heute befindet sich dort ein Schulsportplatz, in dessen Steinmauer Mazewot-Fragmente zu sehen sind. Der neue Friedhof an der Czerniawy-Straße wurde 1851 angelegt, als der alte überfüllt war; das Grundstück schenkte Motek Herzberg der Gemeinde. Das Gelände wurde eingezäunt und ein Taharahaus errichtet, vor 1939 umfasste der Friedhof etwa 1,5 ha. Im Krieg führten die Deutschen hier Hinrichtungen durch und ließen mit den Grabsteinen Plätze und Straßen pflastern, darunter den Hof des von der Gendarmerie besetzten Reformatenklosters. 1959 wurde der Friedhof offiziell geschlossen.
1984 wurden auf Initiative der örtlichen Gesellschaft für Denkmalpflege, des Weichselmuseums und des Denkmalpflegers mehrere Hundert in der Stadt geborgene Grabsteine zurück auf den Friedhof gebracht. 1986 entstand daraus das Lapidarium nach einem Entwurf des Architekten Tadeusz Augustynek; laut Gemeinde wurden die ersten Mazewot bereits in den 1970er-Jahren ausgegraben. Die Wand erinnert an die Klagemauer in Jerusalem, der Spalt in ihrer Mitte steht für die Vernichtung der Gemeinde. Laut ESJF-Erfassung enthält das Lapidarium rund 600 Mazewot-Fragmente, am Hang stehen noch 25 Grabsteine – einige vermutlich an ihrem ursprünglichen Platz. Der älteste stammt von 1851, der jüngste von 1939.
Der Friedhof steht im Denkmalregister der Woiwodschaft Lublin und gehört der Stiftung zum Schutz des jüdischen Erbes. Das Gelände ist nicht eingezäunt und bewaldet, weshalb die ESJF seine Sicherung als dringend einstuft.
Der Friedhof ist nicht eingezäunt und frei zugänglich. Planen Sie 20–30 Minuten ein; der Fußweg vom Marktplatz dauert etwa eine Viertelstunde, teils bergauf. Das Gelände ist bewaldet und abschüssig, nach Regen werden die Wege rutschig – mit Kinder- oder Rollstuhl kann es schwierig werden. Verhalten Sie sich still und respektvoll; nach jüdischem Brauch legt man kleine Steine statt Blumen auf die Gräber. Verbinden Sie den Spaziergang mit der ehemaligen Synagoge im Ortszentrum.
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