Märkte & Altstädte
Kazimierz Dolny, Lublin
Der Marktplatz von Kazimierz Dolny ist das Herz eines der schönsten Kleinstädtchen Polens: ein unregelmäßiger, gepflasterter Platz mit einem überdachten Holzbrunnen in der Mitte, reich verzierten Renaissance-Bürgerhäusern mit Laubengängen und der Pfarrkirche, die vom Hang herabblickt. Hier beginnt jeder Rundgang – Burgruine, Wehrturm, Drei-Kreuze-Berg und Weichselufer erreichst du in wenigen Minuten. Die Altstadt steht als Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii) unter höchstem nationalem Schutz.
Kazimierz Dolny liegt an der Weichsel im Osten Polens, rund 45 km westlich von Lublin und etwa 150 km südöstlich von Warschau. Aus Deutschland ist die Anreise lang – von Berlin sind es über 700 km –, daher verbinden die meisten Besucher den Ort mit einem Aufenthalt in Lublin oder Warschau. Busse fahren aus Lublin und Puławy. Nicht verwechseln mit Kazimierz, dem jüdischen Viertel von Krakau.
Der Platz entstand um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert. 1406 verlieh König Władysław Jagiełło der Stadt das Magdeburger Recht und einen Samstagsmarkt. Nach Bränden um 1560 und 1585 bauten die durch den Getreidehandel auf der Weichsel – das Korn ging per Schiff nach Danzig – reich gewordenen Kaufleute steinerne Häuser. Später litt die Stadt unter den Schwedenkriegen (1657), einem Brand 1866 und beiden Weltkriegen. Das heutige Bild verdankt der Platz vor allem dem sorgfältigen Wiederaufbau nach 1945 unter dem Architekten Karol Siciński.
Eine Touristeninformation findest du im Haus Nr. 15.
Nach den Przybyła-Häusern lohnt ein Blick auf die übrigen Platzseiten. Das Haus Lustig (Nr. 10) stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert und wurde 1954 wiederaufgebaut. Das Haus der Familie Kifner (Nr. 16), vor dem Werniks sitzt, entwarf 1919 Jan Koszczyc-Witkiewicz – derselbe Architekt, der dem Brunnen seine heutige Form gab. Unter Nr. 23 steht das ehemalige Rathaus mit Säulenvorbau, in der Zwischenkriegszeit zur Apotheke umgebaut. Übrigens gibt es zwei Brunnen: Der zweite steht an der Ecke zur ulica Lubelska. In den 1950er-Jahren hieß der Platz offiziell „Stalingrad-Platz“ – heute erinnert daran nichts mehr.
Der Platz selbst ist in einer Viertelstunde erkundet, plane aber zwei bis drei Stunden für eine Runde ein: Marktplatz – Pfarrkirche – Burgruine und Turm – Drei-Kreuze-Berg – Weichselpromenade. Der Platz ist jederzeit frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben. An Wochenenden von Frühjahr bis Herbst ist viel los; für Fotos ohne Menschenmengen komm früh am Morgen. Abends sind Brunnen und Fassaden beleuchtet. Am angenehmsten sind das späte Frühjahr und der frühe Herbst; im Sommer wird der Platz zur Bühne des landesweiten Festivals der Volksmusikkapellen und -sänger, das hier jedes Jahr stattfindet – stimmungsvoll, aber voll. Das Kopfsteinpflaster ist uneben – mit Kinderwagen oder Rollstuhl kommt man langsamer voran, der Platz ist aber eben.
Auf jeden Fall – Kazimierz Dolny ist einer der lohnendsten Tagesausflüge ab Lublin. Kombiniere den Marktplatz mit dem Ausblick vom Burgturm, den Lösshohlwegen rund um die Stadt und einem Spaziergang an der Weichsel. Wer mehr Zeit hat, setzt in der Saison mit der Fähre ans andere Ufer über: Dort thront die Burgruine Janowiec, eine Außenstelle des Weichselmuseums. Für Fotografen ist der Blick vom Burgturm auf die Dächer rund um den Marktplatz einer der schönsten in ganz Ostpolen.
Eintritt frei
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Geprüft: Oktober 2026