Historische Orte
Stettin, Westpommern
Der Zentralfriedhof in Stettin (Szczecin) ist der größte Friedhof Polens und nach Hamburg-Ohlsdorf und Manchester der drittgrößte Europas. Auf über 172 Hektar erstreckt sich ein weitläufiger Landschaftspark mit Alleen, Brunnen, Bächen und rund 415 Baum- und Straucharten, zwischen denen historische Grabmäler, Kapellen und Denkmäler stehen. Für deutsche Besucher ist er besonders interessant: Er wurde als Stettiner Hauptfriedhof angelegt und erzählt die deutsche wie die polnische Geschichte der Stadt.
Um 1900 brauchte das rasch wachsende Stettin einen neuen Friedhof. Stadtbaurat Wilhelm Meyer-Schwartau entwarf ihn nach dem Vorbild des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg; eröffnet wurde er im Dezember 1901. Zuerst entstand der Ostteil mit Hauptportal, Kapelle und Hauptallee, später der Westteil. Seine endgültige Gestalt gab ihm der Gartenarchitekt Georg Hannig, erster Friedhofsdirektor (1918).
Nach 1945 wurde der Hauptfriedhof zum Friedhof des polnischen Szczecin. Heute ruhen hier über 300.000 Menschen. Krieg und Brände zerstörten viele Grabmäler; 1981 brannte die Hauptkapelle, ihr Wiederaufbau dauerte 13 Jahre. Seit 1986 steht die Anlage unter Denkmalschutz, seit 2005 werden historische Gräber gezielt restauriert. Ein Antrag, den Friedhof zum polnischen Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii) zu erklären, liegt beim Kulturministerium.
Hier liegen unter anderem der Automobilfabrikant Bernhard Stoewer, Oberbürgermeister Hermann Haken, der erste polnische Stadtpräsident nach dem Krieg Piotr Zaremba, Kapitän Konstanty Maciejewicz, Gründer der Staatlichen Seefahrtsschule, die Sängerin Helena Majdaniec und Solidarność-Legende Marian Jurczyk. An die enge Bindung der Stadt an das Meer erinnern das Denkmal „Für jene, die nicht vom Meer zurückkehrten“ und ein Denkmal für die Opfer des Fährunglücks der „Jan Heweliusz“. Rund 200 historische Grabmäler sind erhalten – etwa das Grab der Familie Neumann mit Engelsfigur oder das Grabmal des Ehepaars Haken mit Porträtbüsten. Seit 2003 kümmert sich ein Verein um ihre Restaurierung.
Seit 2010 gibt es einen historischen Pfad mit 21 Stationen, der am Hauptportal beginnt, und einen dendrologischen Pfad mit 32 Tafeln. Der Baumbestand ist so vielfältig, dass man den Friedhof oft als Arboretum bezeichnet: Himalaya-Kiefer, Krim-Linde, Kanadische Hemlocktanne, Gelb-Kiefer, Japanische Lärche, Korea-Tanne, Tulpenbaum und Platanen. Vorbild für die Anlage war nicht zufällig Ohlsdorf – auch hier sollten Friedhof und Park eine Einheit bilden, mit breiten Alleen, Wasserbecken und Hecken. Eine Friedhofsordnung legte schon wenige Jahre nach der Eröffnung Form der Grabfelder und Grabmäler fest; verwendet wurden heimische Materialien wie Sandstein und Kalkstein. Für einen Rundgang über die Hauptalleen solltest du 1,5–2 Stunden einplanen, für beide Pfade einen halben Tag. Am schönsten ist es im Herbst, wenn der Park in Gold- und Rottönen leuchtet.
Winter und Allerheiligen: Im Winter nur bei Tageslicht besuchen, Nebenwege können glatt sein. Rund um den 1. und 2. November kommen Hunderttausende, die Straße am Hauptportal kann für Autos gesperrt sein und Bus und Bahn fahren nach Sonderfahrplan – für eine ruhige Besichtigung ungeeignet, das abendliche Lichtermeer ist aber eindrucksvoll.
Stettin liegt nur rund 150 km von Berlin entfernt, etwa zwei Stunden mit Auto oder Regionalbahn. Das Hauptportal befindet sich im Stadtteil Gumieńce, einige Kilometer westlich des Zentrums; am bequemsten fährst du mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle „Cmentarz Centralny“. Lohnt sich der Abstecher? Für alle, die historische Parkfriedhöfe wie Ohlsdorf mögen, unbedingt. Gut kombinierbar mit dem Platanenplatz Jasne Błonia und dem Kasprowicz-Park.
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Geprüft: Oktober 2026