Kirchen & Klöster
Lublin
Stellen Sie sich in eine Ecke der Sakristei der Lubliner Erzkathedrale und flüstern Sie zur Wand — die Person in der gegenüberliegenden Ecke hört jedes Wort. Einer Erzählung nach wollte ein Bischof so seine Besucher belauschen, einer anderen nach konnten Priester auf diese Weise Kranken die Beichte abnehmen, ohne ihnen nahe zu kommen. Die akustische Sakristei ist nur eine der Überraschungen dieser ehemaligen Jesuitenkirche, einer der ersten Barockkirchen Polens.
Die Jesuiten kamen 1582 nach Lublin, am 20. April 1586 wurde der Grundstein ihrer Kirche gelegt. Die Pläne stammten von Giovanni Maria Bernardoni und Giuseppe Brizio, teilweise nach dem Vorbild der römischen Kirche Il Gesù. Am 25. April 1604 weihte der Krakauer Bischof Bernard Maciejowski die Kirche Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Sie war in die Stadtmauer eingebunden, weshalb die Fenster oberhalb der Mauerkrone liegen mussten. Nach einem Brand am 10. März 1752 wurde das Innere erneuert und 1757 von Józef Meyer, dem Hofmaler Augusts III., mit illusionistischen Fresken ausgemalt.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 übernahmen die Trinitarier die Kirche, konnten sie aber nicht unterhalten — unter österreichischer Herrschaft diente sie sogar als Getreidelager. Als 1805 das Bistum Lublin gegründet wurde, wurde die ehemalige Jesuitenkirche seine Kathedrale. 1821 entwarf Antonio Corazzi eine klassizistische Fassade mit sechssäuligem Portikus. Bomben vom 9. September 1939 beschädigten die Kathedrale; wiederaufgebaut wurde sie auf Initiative von Bischof Stefan Wyszyński, dessen Wahlspruch „Soli Deo“ (Gott allein) an der Fassade steht. Seit 1992 ist sie Erzkathedrale.
In den Krypten ruhen die Bischöfe von Lublin; seit 2005 sind dort Grabgewänder und bei Untersuchungen gefundene Gegenstände zu sehen. 2006 eröffnete in der restaurierten Schatzkammer und akustischen Sakristei eine Dauerausstellung zu Goldschmiedekunst und liturgischen Gewändern. Neben der Kathedrale ragt der Trinitarierturm auf — einst das Tor des Jesuitenkollegs, 1627 zum Glockenturm erhöht. Heute beherbergt er das Erzdiözesanmuseum, vier Glocken und eine Aussichtsterrasse mit Blick über Lublin.
Die Kathedrale steht am Kathedralplatz (plac Katedralny), direkt neben dem Krakauer Tor und der Altstadt. Die Kirche selbst können Sie außerhalb der Gottesdienste betreten; akustische Sakristei, Schatzkammer, Krypten und Turm sind ein eigener, meist kostenpflichtiger Teil der Besichtigung — prüfen Sie aktuelle Zeiten und Preise vorab. Für Kathedrale und Krypten sollten Sie etwa eine Stunde einplanen, mit Turm anderthalb. Den Flüstertest in der Sakristei machen Sie am besten zu zweit: Stellen Sie sich in gegenüberliegende Ecken, das Gesicht zur Wand.
Czynna świątynia; zwiedzanie poza nabożeństwami. Podziemia mogą mieć osobne godziny.
Brak regularnego biletu za wejście do świątyni; sprawdź zasady podziemi.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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