Museen
Lublin
An der Gewölbedecke eines Kellers unter dem roten Haus am Rynek 8 in Lublin steht eine nackte Fortuna auf einer Kugel, ein vom Wind geblähtes Tuch in der Hand. Um sie herum spielen Szenen über Ehe, Torheit und Liebe, kopiert aus einem modischen deutschen Emblembuch von 1596. Der Fortuna-Keller (Piwnica pod Fortuną) ist ein in Polen seltenes Beispiel weltlicher, von Bürgern in Auftrag gegebener Wandmalerei und heute zugleich Schauplatz einer Multimedia-Route durch das alte Lublin.
Das Haus wird erstmals 1522 erwähnt. 1540 ließ Jan Lubomelski es gründlich umbauen; davon zeugt eine Steinplatte in der Tordurchfahrt mit Hausmarke, Jahreszahl und der Inschrift „Jan Lubom“. Nach dem Stadtbrand von 1575 wurde das Haus wiederaufgebaut und im oberen Kellergeschoss eine Weinstube eingerichtet. Die Familie Lubomelski besaß das Haus bis 1661; 1782 baute Franciszek Makarowicz es um und gab ihm weitgehend sein heutiges Aussehen. Nach Angaben der Stadt wohnte hier König Stanisław August Poniatowski, und bis 1941 hatte das Lubliner Rabbinat hier seinen Sitz – seit 1904 gehörte das Haus der jüdischen Gemeinde.
Der bemalte Raum ist 7,10 m lang und 2,7 m breit, das Tonnengewölbe 2,45 m hoch; die Malereien bedecken 60,57 m². Die Komposition besteht aus zehn Bildfeldern (neun sind noch lesbar), verbunden durch Rankenwerk und begleitet von Inschriften in Kartuschen. Untersuchungen von 2018 zeigten, dass sieben Szenen nach Stichen aus den Emblemata saecularia der Brüder Johann Theodor und Johann Israel de Bry entstanden, erstmals 1596 in Frankfurt am Main erschienen; Fortuna sowie Amor und Venus folgen Kupferstichen von Heinrich Ulrich aus Nürnberg. Die in eine Wand geritzte Jahreszahl „1679“ zeigt, dass der Keller Ende des 17. Jahrhunderts noch besucht wurde.
Mitarbeiter des Zentrums „Grodzka-Tor – Theater NN“ betonen, dass dies das einzige bekannte Beispiel in Europa ist, bei dem das Programm eines kleinen Büchleins nach Art eines Stammbuchs – eines Freundschaftsalbums – vollständig auf die Wände eines Raumes übertragen wurde. Den Malereien setzte die spätere Nutzung zu: Nachdem 1782 Fenster und Eingang zum Marktplatz zugemauert wurden, wurden die Wände feucht, und in den 1930er-Jahren lagerte man hier Äpfel. Für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen gibt es Tastmodelle und einen Film.
Bis Februar 2018 verwaltete die Regionale Tourismusorganisation Lublin die Keller; heute betreut sie die Lubliner Unterirdische Route des Zentrums „Grodzka-Tor – Theater NN“. Der Keller ist ganzjährig täglich geöffnet, der Eintritt ist kostenpflichtig – aktuelle Zeiten und Preise prüfen Sie vor dem Besuch auf der Website des Zentrums. Planen Sie etwa eine Stunde ein. Bevor Sie hinabsteigen, werfen Sie einen Blick auf die rote Fassade mit Attika und auf die Steinplatte der Lubomelskis an der Durchfahrt.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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