Denkmäler
Lublin
Das Grodzka-Tor in Lublin (Brama Grodzka), auch Judentor genannt, verband einst die christliche Altstadt mit dem jüdischen Viertel am Fuß des Schlosses. Heute beherbergt es das Zentrum „Brama Grodzka – Teatr NN“, eine der wichtigsten Erinnerungsinstitutionen Polens, die die Geschichte des untergegangenen jüdischen Lublin bewahrt. Der Gang durch das Tor dauert nur Sekunden – die Ausstellung im Inneren verändert deinen Blick auf die ganze Stadt.
Lublin liegt rund 170 km südöstlich von Warschau, mit dem Zug etwa zwei Stunden entfernt; aus Deutschland reist man meist über Warschau an. Das Tor steht am Ende der ul. Grodzka in der Altstadt, etwa 300 m vom Marktplatz und wenige Gehminuten vom Schloss entfernt. Busse halten am Schlossplatz („Muzeum Narodowe – Zamek“), von dort führen Treppen hinauf. Die Altstadt ist weitgehend autofrei, geparkt wird am Schlossplatz oder in der Parkzone.
Das Tor ist ein Überrest der ersten gemauerten Befestigung Lublins, die ab 1342 mit Erlaubnis König Kasimirs des Großen entstand. Neben dem Krakauer Tor war es eines von nur zwei Stadttoren. Seine heutige klassizistische Gestalt erhielt es 1785 durch Dominik Merlini, den Hofarchitekten König Stanisław Augusts.
Der Name Judentor erinnert daran, dass es den Übergang zum jüdischen Viertel Podzamcze bildete – einem lebendigen Stadtteil, den die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg zerstörten. Bei Sanierungen 2008–2009 stellte sich heraus, dass das Gewölbe des Tores seit dem Krieg einsturzgefährdet gewesen war.
Das Theater NN gründete Tomasz Pietrasiewicz 1990; seit 1998 ist das Zentrum eine städtische Kultureinrichtung im Tor und in den Nachbarhäusern. Es betreibt ein großes Oral-History-Archiv, eine Bildsammlung zum alten Lublin, die Lubliner Unterirdische Route und das Druckereimuseum „Dom Słów“; 2013 erhielt es den Europäischen Bürgerpreis.
Jedes Jahr am 16. März, dem Jahrestag des Beginns der Liquidierung des Lubliner Ghettos 1942, findet das „Mysterium von Licht und Dunkelheit“ statt: Am Tor werden Namen früherer Bewohner verlesen, im einstigen jüdischen Viertel gehen die Lichter aus – nur eine Vorkriegslaterne in der ul. Podwale, die Laterne der Erinnerung, bleibt an.
Die Dauerausstellung „Lublin. Pamięć Miejsca“ (seit 2011) erzählt vom multikulturellen Vorkriegs-Lublin und der verschwundenen jüdischen Stadt. Sie ist nur mit Führung zu festen Zeiten zu sehen, auf Polnisch oder Englisch; die Führung dauert etwa eine Stunde. Termine und Preise (Stand: Oktober 2026) findest du im Online-Ticketsystem bilety.teatrnn.pl oder im Infopunkt in der ul. Grodzka 21 – buche vorab, die Gruppen sind klein. Durch das Tor selbst kannst du jederzeit gehen.
Ja, besonders wenn dich jüdisches Erbe oder die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert. Verbinde die Führung mit einem Spaziergang hinunter zum Schloss mit der Dreifaltigkeitskapelle. Am Marktplatz beginnt die Lubliner Unterirdische Route, die ebenfalls vom Zentrum betrieben wird. Ganz in der Nähe kannst du außerdem den Keller „Pod Fortuną“ mit Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert besichtigen – ebenfalls nur mit Führung. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Online-Archiv des Zentrums zahlreiche Zeitzeugenberichte und historische Fotos, viele davon zum jüdischen Viertel rund um das Tor. Ein guter Moment für den Besuch ist der Vormittag, wenn die Altstadt noch ruhig ist.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026