Burgen
Łęczyca, Łódź
Das rote Backsteinviereck auf einem künstlichen Hügel an der Bzura ist eine der wichtigsten Festungen Kasimirs des Großen in Mittelpolen. Im Königsschloss Łęczyca beriet König Władysław Jagiełło vor dem Krieg gegen den Deutschen Orden, hier saßen Gefangene aus der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald), und vier Sejms tagten in seinen Mauern. Der Legende nach haust in den Kellern noch immer der Teufel Boruta als Hüter eines verborgenen Schatzes; im wiederaufgebauten Neuen Haus befindet sich das Museum in Łęczyca.
Das genaue Baudatum ist unbekannt. Die Arbeiten könnten bald nach 1345 begonnen haben, als das Land Łęczyca noch Herzog Władysław dem Buckligen gehörte; nach dessen Tod (1352) vollendete Kasimir der Große die Burg und nutzte sie als Residenz. 1406 brannten die Ordensritter sie nieder, doch schon 1409 kam Władysław Jagiełło zu einer Beratung vor dem großen Krieg gegen den Orden. Nach Tannenberg, 1410, warteten hier gefangene Ordensritter auf ihr Lösegeld. Sejms tagten hier 1420, 1448, 1454 und 1462, und der Überlieferung nach empfing Jagiełło in Łęczyca einen hussitischen Gesandten, der ihm die böhmische Krone anbot.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zerstörte ein Brand das Gebäude. Erst 1563–1565 ließ es Kronschatzmeister und Starost Jan Lutomirski wiederaufbauen und errichtete dabei für fast 3000 Gulden aus der königlichen Kasse das Renaissance-Gebäude Neues Haus. 1655 eroberten die Schweden unter General Robert Douglas das Schloss, am 7. Oktober 1656 holte es das Heer König Johann II. Kasimirs zurück.
Nach der Dritten Teilung bezogen die Preußen die Ruine in neue Befestigungen ein und errichteten auf den Fundamenten des alten Wohnhauses ein Pulvermagazin aus Backstein, das bis heute steht. Ab 1831 ließ der Bürgermeister von Łęczyca das Schloss als Ziegelquelle abtragen; nach 1834 stürzten die Nordmauern, ein Teil des Neuen Hauses und der Torturm ein. Der Abriss endete erst nach einer Intervention, als die Stadt das Schloss 1841 formell übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten Pfadfinder das Gelände, ab 1964 wurden Neues Haus, Torturm und Teile der Mauern wiederaufgebaut.
Boruta hat in den Sagen viele Gestalten — meist ein Edelmann mit schwarzem Schnurrbart und langem Kontusz, der den Schwanz verdeckt, aber auch ein schwarzes Pferd, eine Eule oder ein gehörnter Fisch in der Bzura. Einer Sage zufolge zog er um 1360 die Kutsche Kasimirs des Großen aus dem Morast und erhielt dafür die Burg. 1769 eroberte der russische General Iwan Drewitz Łęczyca samt Schloss im Kampf gegen die Konföderierten von Bar.
Für Hof, Mauern und Ausstellungen sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Das Schloss liegt im Zentrum von Łęczyca zwischen Łódź und Kutno, wenige Gehminuten vom Marktplatz. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise erfragen Sie vor dem Besuch direkt beim Museum in Łęczyca. Gut verbinden lässt sich der Besuch mit der romanischen Stiftskirche im nahen Tum, wenige Kilometer entfernt.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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