Burgen
Baranów Sandomierski, Karpatenvorland
Ende des 19. Jahrhunderts schrieb Sławomir Odrzywolski, der das Schloss als Erster genau vermaß, es könne sich „getrost neben die Burg auf dem Wawel stellen“. Daher stammt der Beiname „Kleiner Wawel“. Die Residenz der Familie Leszczyński entstand 1591–1606, der Entwurf wird Santi Gucci zugeschrieben, dem Hofarchitekten König Stephan Báthorys. Sie gehört zu den bedeutendsten Bauten der Spätrenaissance (des Manierismus) in Polen und wird auch „Perle der Renaissance“ genannt.
Im 15. Jahrhundert stand hier ein befestigter Hof der Familie Baranowski. 1568 kaufte Rafał Leszczyński das Gut, seine Nachfolger bauten den Hof zu einem palazzo in fortezza um – einem Palast, der zugleich Festung ist. Um 1620 erhielt das Schloss Bastionen, 1625 schmückte Giovanni Battista Falconi die Innenräume mit Stuck. Der letzte Leszczyński auf dem Schloss war Rafał, Vater von König Stanisław Leszczyński.
Ab 1683 gehörte das Schloss Fürst Józef Karol Lubomirski, für den Tylman van Gameren eine barocke Stuckgalerie an den Westflügel anbaute. Ein Brand 1849 zerstörte die Innenräume und die Bibliothek. 1867 kaufte Feliks Dolański die Ruine, doch 1898 brannte das Schloss erneut. Den Wiederaufbau leitete Tadeusz Stryjeński. Nach 1945 dienten die Räume als Pferdestall und Lager für Getreide und Dünger. Gerettet wurde das Schloss durch die Restaurierung 1959–1968 unter Professor Alfred Majewski. Seit 1997 gehört es der staatlichen Agentur für Industrieentwicklung.
Der Architekturhistoriker Gerard Ciołek wies nach, dass die Arkaden nach dem Goldenen Schnitt konstruiert sind, jener Proportion, auf der die Harmonie der Renaissancearchitektur beruht. Auch die Akustik ist ungewöhnlich: Öffnet man in einem Saal ein Fenster, hört man das Rauschen des Brunnens an der gegenüberliegenden Wand um ein Vielfaches lauter. Das nutzte Siarkopol, das Schwefelunternehmen und Nachkriegsverwalter des Schlosses, für Konzerte. In den Räumen wurden die Fernsehserie „Czarne chmury“ und die Filme „Barbara Radziwiłłówna“ und „Klejnot wolnego sumienia“ gedreht.
Rund um das Schloss liegt ein 14 Hektar großer Park mit englischem, französischem und italienischem Garten und zwei Naturdenkmälern: einem 1897 gepflanzten Tulpenbaum und einem Ahorn von 1901. Für Innenräume, Keller und einen Parkspaziergang sollten Sie 2–3 Stunden einplanen. Im Schloss gibt es ein Restaurant, nebenan ein Hotel, ein längerer Aufenthalt ist also leicht möglich. Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie vorab auf der Website des Schlosses. In Baranów lohnt außerdem das Museum des Polnischen Radiotheaters einen Besuch.
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