Burgen
Sandomierz, Heiligkreuz
In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1656 ließ die abziehende schwedische Besatzung 300 Zentner Schießpulver im Schloss von Sandomierz zurück. Die Explosion erfolgte, während Soldaten und Tross das Gebäude plünderten, und tötete etwa 500 Menschen — Historiker zählen sie zu den verheerendsten Kriegslisten der Frühen Neuzeit. Von der königlichen Burg auf dem Steilufer über der Weichsel blieb nur der Westflügel erhalten, in dem heute das Schlossmuseum untergebracht ist.
Die gemauerte Burg entstand nach einem litauischen Überfall im Jahr 1349, als König Kasimir der Große die alte Holzburg durch eine Festung ersetzen ließ. Der König kam gern hierher: Er besuchte Sandomierz 18-mal und verbrachte insgesamt 25 Monate auf der Burg. Aus dieser Zeit ist der Sockel eines achteckigen Turms auf der Stadtseite erhalten — der älteste heute sichtbare Teil der Anlage. 1395 schloss König Władysław Jagiełło hier ein Bündnis mit den pommerschen Herzögen, und 1478 brachte Königin Elisabeth von Habsburg im Schloss ihre Tochter Barbara zur Welt, die spätere Herzogin von Sachsen.
Unter Sigismund dem Alten wurde die Burg 1520–1527 unter der Leitung von Benedykt aus Sandomierz ausgebaut. Rund um den Hof entstanden Arkadengänge sowie der untere Teil des heutigen Westflügels. Über dem Eingang vom Hof aus ist die Gründungstafel von 1520 mit den lateinischen Titeln des Königs und dem Sigismund-Adler erhalten. 1548 fand hier die Hochzeit von Elżbieta Szydłowiecka und Mikołaj Radziwiłł „dem Schwarzen“ statt, an der König Sigismund August und Königin Bona Sforza teilnahmen. Arbeiten in den Jahren 1564–1566 gaben dem Schloss drei Flügel, zur Stadt hin durch Mauer und Tor abgeschlossen.
Die Schweden nahmen das Schloss im Oktober 1655 ein, während des Krieges, der in Polen „die Sintflut“ heißt. Als polnische Truppen im folgenden Frühjahr die Stadt zurückeroberten, befahl König Karl X. Gustav der Besatzung, abzuziehen und die Festung zu sprengen. Die polnische Führung erfuhr von der Falle, konnte Soldaten und Knechte aber nicht vom Plündern abhalten. Der Legende nach überlebte ein Adliger namens Bobola die Explosion: Sie soll ihn samt Pferd ans andere Weichselufer geschleudert haben. Karol de Prevot malte seine wundersame Rettung für die Stiftskirche von Sandomierz.
Der erhaltene Flügel wurde 1680–1688 unter König Johann III. Sobieski erneuert und um einen repräsentativen Saal, das Piano nobile, ergänzt. Nach den Teilungen Polens, als die Region unter österreichische Herrschaft kam, zogen ein Kriminalgericht und ein Gefängnis ein; um 1844 erhielt die Hoffassade ein klassizistisches Gesicht. Das Gefängnis wurde erst 1959 aufgelöst. Seit 1986 befindet sich hier das Museum.
Das Schloss liegt wenige Gehminuten von der Kathedrale und dem Marktplatz entfernt und lässt sich gut in einen Altstadtrundgang einbauen. In der Saison (1. April – 30. September) ist das Museum dienstags bis sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, außerhalb der Saison von 10:00 bis 17:00 Uhr; montags geschlossen. Die normale Eintrittskarte kostet 28 PLN, die ermäßigte 20 PLN (Stand Oktober 2026). Für die Ausstellungen sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Den schönsten Blick auf die Weichselschleife und die Uferpromenade haben Sie von der Terrasse vor dem Schloss, besonders am späten Nachmittag. Achten Sie im Hof auf die Tafel von 1520 über dem Eingang.
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