Burgen
Świny, Niederschlesien
Świny bei Bolków ist eine der ältesten Burgen Niederschlesiens und die älteste Privatburg auf dem Gebiet des heutigen Polen. Der Chronist Cosmas erwähnt sie erstmals zum Jahr 1108, und fünf Jahrhunderte lang war sie Stammsitz der Familie von Schweinichen, berühmt für Langlebigkeit und Trinkfestigkeit. Heute ist sie eine teilweise gesicherte Ruine mit mächtigem Turm, von dem aus man die Bolkoburg sieht.
Auf dem Porphyrhügel stand zunächst eine Burg, die in einer Bulle von Papst Hadrian IV. von 1155 als Sitz einer Kastellanei genannt wird. In den 1270er-Jahren verlegte Herzog Bolko I. der Strenge diesen Status ins neuere Bolków (Bolkenhain), und Świny ging in ritterlichen Besitz über. Vom 14. bis ins frühe 18. Jahrhundert gehörte die Burg der Familie von Schweinichen. Mitte des 14. Jahrhunderts errichtete sie einen viergeschossigen Wohn- und Wehrturm von 12 × 18 m mit 2,5 m dicken Mauern.
Mitte des 15. Jahrhunderts fügte Gunzel von Schweinichen ein Wohnhaus und neue Mauern hinzu, und 1614–1660 baute Johann Sigismund von Schweinichen die Burg zu einer Renaissanceresidenz mit Palas, Basteien und Zugbrücke aus. Im 18. Jahrhundert begann der Niedergang: 1762 plünderten russische Truppen die Burg im Siebenjährigen Krieg, 1769 wurde sie versteigert. Stürme in den Jahren 1840, 1848 und 1868 rissen das Dach herab und brachten die Turmspitze zum Einsturz, ein Brand 1876 zerstörte die Innenräume. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht die Burg als Lager für Flugzeugteile.
Wichtigster Teil ist der gotische Wohnturm mit erhaltenem Eingangsportal. In den letzten Jahren lassen die Eigentümer ihn sanieren, über dem Burgeingang ist eine Kartusche mit dem Schweinichen-Wappen zu sehen. Rund um den Turm stehen Mauern des einstigen Palas, Reste der für Feuerwaffen ausgebauten Befestigung und Spuren einer dreieckigen Erdbastion in der Vorburg. Vom Hof reicht der Blick über die Umgebung bis zur Bolkoburg, Luftlinie rund 2 km entfernt.
1624 wohnte der Mystiker Jakob Böhme auf der Burg und schrieb hier seine „Epistel an die durstige und hungrige Seele“. Johann Sigismund unterhielt in Świny einen theosophischen Kreis und eine Bibliothek mystischer Schriften. Der Familienlegende nach stammen die Schweinichen von dem Knappen Biwoj ab, der mit bloßen Händen einen Keiler tötete, der die böhmische Fürstin Libuše angriff. Eine andere Geschichte erzählt von Konrad von Schweinichen, der bei Gewitter im Freien weiterzechte, bis der Blitz in seinen Becher schlug. Das sind Legenden, doch sie zeigen gut, welchen Ruf die Familie hatte.
Seit 1991 ist die Burg in Privatbesitz, der heutige Eigentümer sichert sie schrittweise und öffnet sie für Besucher. Vor dem Tor gibt es eine Kasse mit Souvenirs, Toiletten und einen Imbiss, in der Nähe einen Parkplatz. Für den Besuch genügt etwa eine Stunde. Da am Turm weiter gearbeitet wird, prüfen Sie vorab aktuelle Öffnungszeiten und Preise. Świny lässt sich gut mit der Bolkoburg verbinden: Beide schaffen Sie an einem Nachmittag.
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