Burgen
Waldenburg, Niederschlesien
Den größten Teil des 20. Jahrhunderts galt die Alte Burg Fürstenstein (Stary Książ) als künstliche Ruine – eine Staffage für den romantischen Park der Familie Hochberg. Erst archäologische Untersuchungen in den 1990er-Jahren bestätigten, dass unter der „Kulisse“ aus dem 18. Jahrhundert die Mauern einer echten Burg von Herzog Bolko I. dem Strengen aus dem späten 13. Jahrhundert stecken. Heute ist die Ruine über dem Durchbruchstal der Pełcznica (Polsnitz) ein Wanderziel im weniger bekannten Teil des Fürstensteiner Anwesens in Wałbrzych (Waldenburg).
Die erste Burganlage auf dem Hügel über dem Durchbruchstal entstand wahrscheinlich im 9. oder 10. Jahrhundert. Ende des 13. Jahrhunderts errichtete Herzog Bolko I. der Strenge hier eine Steinburg und verlegte 1290 seinen Sitz aus Löwenberg (Lwówek Śląski) hierher. Ein in den Fels gehauener Graben von 20 m Breite und 4,5 m Tiefe trennte die Oberburg von der Vorburg. Nach 1392 verlor die Burg an Bedeutung, 1428 eroberten sie die Hussiten, später diente sie Raubrittern als Stützpunkt und wurde 1484 zerstört.
1509 kauften die Hochbergs, Besitzer des nahen Schlosses Fürstenstein, die Ruine. 1794–1797 ließ Hans Heinrich VI. von Hochberg die Reste vom Architekten Christian Wilhelm Tischbein in eine malerische, neugotisch stilisierte Ruine verwandeln, als Teil des Landschaftsparks um die Residenz. Die neue „alte Burg“ erhielt Graben, Mauer und ein Tor mit zwei Türmchen; verbaut wurden unter anderem Renaissance- und Barockdetails aus dem Schloss in Trzebień.
Die romantische Ruine war keineswegs leer. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es hier ein Gasthaus mit vier Gästezimmern, und in den Räumen wurden Stücke aus dem Hochberg-Museum gezeigt – mit Repräsentationssaal, Rüstkammer, Gerichtssaal und sogar einer Folterkammer. Am 19. August 1800 fand im Hof der Alten Burg das letzte schlesische Ritterturnier statt, zu Ehren des preußischen Königspaares. Zu den Besuchern gehörte auch Karl May, der Autor von „Winnetou“. Im Sommer 1945 brannte das Gebäude nach einer Brandstiftung durch sowjetische Truppen aus.
Erhalten sind die Mauern des Hauptgebäudes mit gut erkennbarer Raumaufteilung, Teile des Turms, zwei Renaissanceportale, ein Abschnitt des Gangs zur Kapelle sowie die Kapellenmauern mit Resten ihres Turms. Unter der Kapelle lag ein Verlies, das noch aus der mittelalterlichen Burg stammt. Die Ruine steht auf einem Felshügel über der Pełcznica, die auf etwa 2 km Länge bis zu 80 m tiefe Schluchten bildet. Von hier blicken Sie über das Tal, die Wälder und in Richtung Schloss Fürstenstein.
Die Alte Burg ist eine frei zugängliche Ruine ohne Kasse und Öffnungszeiten. Sie erreichen sie zu Fuß auf markierten Wegen durch das Naturschutzgebiet Przełomy pod Książem – der Hochberg-Pfad ist etwa 4,5 km lang und führt durch das Pełcznica-Tal von Wałbrzych oder Świebodzice aus. Das Gelände ist bewaldet, stellenweise steil und für Kinderwagen ungeeignet, tragen Sie also bequeme Schuhe. Bleiben Sie im Schutzgebiet auf dem Weg, führen Sie Hunde an der Leine und planen Sie für die ganze Wanderung 2–3 Stunden ein.
Eintritt frei
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