Burgen
Trzebieszowice, Niederschlesien
Im August 1813 kam der preußische König Friedrich Wilhelm III. in dieses Schloss an der Biała Lądecka, um hier seinen Geburtstag zu feiern – unter den Gästen war Zar Alexander I. Heute trägt die Residenz in Trzebieszowice (Kunzendorf) den Namen Zamek na Skale („Schloss auf dem Felsen“) und ist ein Hotel, doch die Innenräume lassen sich bei einer Führung besichtigen. Mittelalterliche Keller, Renaissance-Wappen, Barock und Jugendstil treffen hier unter einem Dach zusammen.
Das Schloss steht auf einer felsigen Flussschleife der Biała Lądecka im Tal zwischen Kłodzko (Glatz) und Bad Landeck (Lądek-Zdrój). Im 15. Jahrhundert befand sich hier ein befestigter Rittersitz aus Stein und Holz – Reste seiner Steinmauern sind in den Kellern erhalten. Im 16. Jahrhundert entstand auf den Ruinen ein Renaissance-Herrenhaus mit Innenhof; gebaut wurde in Etappen zwischen 1550 und 1625, der Hauptbau war 1613 fertig. Besitzer war die Glatzer Linie der von Reichenbach: An der Flussseite sehen Sie Wappen mit der Jahreszahl 1583, die an die Hochzeit von Sigismund von Reichenbach und Margarethe von Ratschin erinnern, über dem Portal des Ostflügels das Familienwappen mit der Jahreszahl 1613.
Ende des 17. Jahrhunderts erwarb der kaiserliche General Georg Olivier von Wallis das Gut, Spross einer Familie irischer Herkunft. Die Wallis barockisierten das Haus und errichteten zur Flussseite einen neuen Flügel mit Ställen, zweigeschossiger Orangerie und Turm; Kunzendorf wurde ihr Hauptsitz in der Grafschaft Glatz. Laut der Schlossgeschichte lieh sich das Bad Landeck von hier Möbel und Vorhänge, als 1765 Friedrich der Große zur Kur kam. 1783 ging das Gut an Graf von Schlabrendorf, und am 3. August 1813 feierte man hier den Geburtstag Friedrich Wilhelms III. im Beisein des Zaren.
Den letzten großen Umbau 1903–1905 ließ die Familie Harbuval-Chamaré ausführen. Der Hof erhielt ein Glasdach, es entstanden Salons im Jugendstil und in Neorenaissance sowie ein reich geschnitztes Holztreppenhaus nach dem Vorbild des Wiener Barocks. Berühmtestes Detail ist eine Intarsientür mit dem Relief eines Frauenkopfes – angeblich der jungen Schlossherrin Wanda – nach einem Entwurf von Alfons Mucha. Nach 1945 dienten die Räume u. a. als psychiatrisches Krankenhaus, Staatsgut und Ferienheim; 2004 kaufte ein privater Investor das Schloss und eröffnete nach der Sanierung ein Hotel.
Die Führung dauert etwa eine Stunde und umfasst u. a. den Wehrturm, den Barocksaal, den Jugendstilsalon, den Spiegelsalon, den neorokoko Saal, das Treppenhaus und den Hof. Die Führer zeigen auch die ihrer Angabe nach älteste elektrische Lampe Niederschlesiens und ein Hofdach, das eine der am Eiffelturm beteiligten Firmen gebaut hat. Auf eigene Faust können Sie den vor 1720 angelegten historischen Park und eine Höhle im Felsen unter dem Schloss erkunden.
Die Führung kostet 30 PLN (Senioren, Kinder bis 12 Jahre und Gruppen ab 6 Personen 25 PLN, Hotelgäste 25 PLN); dazu gibt es eine Nachtführung für 40 PLN und eine Variante mit Geländespiel für 5 PLN Aufpreis (Preise laut Schloss-Website, Oktober 2026). Die Zeiten legt die Rezeption fest: Tel. +48 74 865 20 00. Nach Voranmeldung sind Führungen auf Deutsch oder Englisch möglich. Adresse: Trzebieszowice 151, Gemeinde Lądek-Zdrój. Das schönste Fotomotiv bietet die Flussseite, wo das Gebäude direkt aus dem Fels zu wachsen scheint.
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