Burgen
Lądek-Zdrój (Bad Landeck), Niederschlesien
Auf dem Gipfel des Karpiak, mehr als 780 Meter über dem Meer, liegen die Steinfundamente einer Burg, die anderthalb Jahrhunderte lang Hauptsitz einer kleinen Herrschaft im Tal der Biała Lądecka war. Ihr letzter Herr raubte die Umgebung und sogar ein Kloster aus, worauf schlesische Städte die Burg eroberten und zerstörten. Heute ist sie ein Wanderziel ab Lądek-Zdrój – eine bescheidene Ruine, aber mit gut erkennbarem Grundriss und einer spannenden Geschichte.
Theorien über eine frühmittelalterliche Burg und einen Aufenthalt Bolesławs des Tapferen gehören wohl ins Reich der Legende. Wahrscheinlicher ist, dass hier vor 1200 eine erste Burg stand. Der erste namentlich bekannte Herr war Thamo Glubos der Ältere (gest. 1337), ein Lehnsmann König Johanns von Luxemburg. Das Familienwappen zeigte einen goldenen Karpfen auf blauem Grund – daher der Name Karpenstein, polnisch Karpień.
Im 14. und 15. Jahrhundert war die Burg Sitz der Herren der sogenannten Herrschaft Karpenstein, die das obere Tal der Biała Lądecka oberhalb von Radochów umfasste. Sie sicherte Pässe und Handelswege, darunter die später Salzstraße genannte Route am Fuß des Berges. 1352–1353 kaufte König Karl IV. die Burg, danach ging sie an Mitglieder des Hauses Luxemburg und deren Lehnsleute.
Die Hussitenkriege brachten Zerstörung: 1428 wurde die Burg niedergebrannt, drei Jahre später die Verwüstung vollendet. Der letzte Herr, Hynek Krušina von Lichtenburg, lebte trotz adliger Herkunft vom Raub. Als er 1442 das Kloster Heinrichau plünderte, eroberten und zerstörten die vereinten Kräfte schlesischer Städte Karpenstein ein Jahr später. Bis 1513 hausten Räuber in der Ruine, bis die Landecker Bürger sie vertrieben und die Burg endgültig schleiften.
Schon im 17. Jahrhundert zog die Ruine Kurgäste aus Landeck an. 1885 errichtete der Glatzer Gebirgsverein auf der Vorburg einen hölzernen Aussichtsturm, der 1899 abgerissen wurde. Erste Grabungen begannen im Frühjahr 1882, die jüngsten archäologischen Untersuchungen fanden 2009–2010 statt. Die Ruine liegt im Staatsforst und wird nicht laufend konserviert.
Am einfachsten erreichen Sie die Ruine auf dem blauen Fernwanderweg E3 ab Lądek-Zdrój, etwa 1,5–2 Stunden pro Richtung. Auch ein grüner Weg vom Gierałtów-Pass zum Landecker Pass führt hindurch. Gut kombinieren lässt sich die Tour mit dem Trojak und seinen Felsen, eine Viertelstunde von der Burgkreuzung entfernt steht ein Waldkirchlein im ehemaligen Dorf Karpno. Tragen Sie Schuhe mit gutem Profil, die Steine innerhalb der Mauern sind uneben.
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