Museen
Zakopane, Kleinpolen
Karol Szymanowski nannte sie seine „geliebte Goralenhütte". In der hölzernen Villa „Atma" in der Kasprusie-Straße, wenige Gehminuten von der Krupówki entfernt, lebte der Komponist von 1930 bis 1935 und vollendete hier sein Ballett „Harnasie". Heute befindet sich darin das weltweit einzige biografische Museum über Szymanowski, eine Abteilung des Nationalmuseums Krakau.
Józef Kasprusie-Stoch baute das Haus 1895 als Pension für Sommergäste. Er wählte dafür den Zakopane-Stil, den Stanisław Witkiewicz begründet hatte. 1925–1926 wurde die Villa auf ihre heutige Größe erweitert und „Atma" getauft, was im Sanskrit „Seele" bedeutet. Szymanowski zog im Oktober 1930 ein. Außer „Harnasie" entstanden hier unter anderem das Zweite Violinkonzert, „Veni Creator", die „Litanei an die Jungfrau Maria" und die „12 Kurpischen Lieder".
Im November 1935 reiste der Komponist zur Kur in die Schweiz und kehrte nie mehr nach Atma zurück. Der Komponist Michał Kondracki regte schon 1937 ein Museum an, doch verwirklicht wurde es erst Jahrzehnte später. In den Jahren 1972–1974 sammelte ein Komitee unter Leitung von Jerzy Waldorff das Geld, um die Villa aus Privatbesitz zu kaufen. Das Museum wurde am 6. März 1976 eröffnet, die meisten Exponate stiftete Szymanowskis Nichte Krystyna Dąbrowska.
Die Ausstellung nimmt das Erdgeschoss ein. Nach Szymanowskis Auszug diente das Haus als Mietshaus, deshalb ließen sich nicht alle Räume rekonstruieren. Anhand von Fotos und Beschreibungen wurde jedoch das Arbeitszimmer des Komponisten nachgebildet. Die übrigen Räume sind im Stil der Zwischenkriegszeit eingerichtet und zeigen Multimedia-Stationen zu Szymanowskis Leben und seiner Verbindung zur Region Podhale.
Zu Gast in Atma waren der Dichter Julian Tuwim, der Maler und Schriftsteller Witkacy, die Schriftstellerin Zofia Nałkowska, der Autor Jarosław Iwaszkiewicz, die Künstlerin Zofia Stryjeńska und der Pianist Arthur Rubinstein. 1935 wohnte hier auch der Tänzer Serge Lifar, der sich auf die Titelrolle in „Harnasie" an der Pariser Oper vorbereitete. Zur Museumseröffnung 1976 reiste er eigens aus Paris an. In den Jahren 2011–2013 wurde die Villa im Rahmen des polnisch-slowakischen Projekts „Musik unter der Tatra" grundlegend saniert.
Laut Nationalmuseum Krakau (Stand Oktober 2026) ist das Museum Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Der Normalpreis beträgt 18 PLN, ermäßigt 14 PLN. Dienstags ist der Eintritt in die Dauerausstellung frei. Von der Krupówki gehen Sie etwa 7 Minuten, vom Bahnhof etwa 15 Minuten. Hinweis für Rollstuhlfahrer: Am Tor gibt es eine hohe Schwelle und einen steilen, steinigen Weg hinunter zum Haus. Planen Sie etwa eine Stunde ein. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich, denn in der Villa finden regelmäßig Kammerkonzerte statt.
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