Festungen
Prudnik, Oppeln
Der Niedertorturm in der Batorego-Straße ist die sichtbarste Spur der mittelalterlichen Befestigung von Prudnik (Neustadt in Oberschlesien) und eines der Wahrzeichen der Stadt. Steinerner Unterbau, Backsteinaufsatz und das achteckige Obergeschoss unter einem schlanken Helm zeigen wie im Querschnitt drei Bauphasen – vom 14. Jahrhundert bis um 1580. Nach der Restaurierung 2006 erhielt der Turm eine Auszeichnung des Kulturministeriums im Wettbewerb „Gepflegtes Baudenkmal“.
Die gemauerten Befestigungen von Prudnik entstanden vermutlich im 14. Jahrhundert; als ihr Stifter gilt Herzog Bolesław I. von Falkenberg. Eine unsichere Erwähnung der Wehranlagen betrifft das Jahr 1327, die erste gesicherte Nachricht über das Niedertor stammt von 1481, als Georg von Würben das örtliche Vogtamt samt Gerichtsbarkeit über das Torgebiet kaufte. Die Stadt hatte zwei Tore: das Obertor, auch Neisser Tor genannt, Richtung Neisse und Ziegenhals, und das Niedertor Richtung Zülz und Oberglogau. Die rund 1100 Meter langen Mauern umschlossen Stadt und Burg auf knapp 13 ha.
Ein schönes Detail aus den Akten: 1532 wurden im Stadtgraben jährlich etwa 900 Karpfen gefangen, und die beiden Torwächter verdienten jeweils 7 Mark und 2 Groschen im Jahr. Im 18. Jahrhundert hatten die Mauern keine militärische Bedeutung mehr, im 19. Jahrhundert wurden sie größtenteils abgetragen – die Quellen nennen 1868. Der Turm blieb stehen.
Neben dem Turm ist ein Mauerabschnitt mit dem sogenannten Arsenal und zwei Türmen erhalten – dem Henkersturm und dem Kleinen Turm – an der Ecke der Straßen Bolesława Chrobrego und Bolesława Krzywoustego. Dieser Abschnitt wurde vor Kurzem saniert: Beide Türme erhielten neue Dächer, der Henkersturm wurde erhöht und mit Zinnen versehen. In den Türmen befindet sich das Museum des Neustädter Landes.
Den Turm sehen Sie von außen, kostenlos und jederzeit; der schönste Blick bietet sich von der Batorego-Straße. Für Fotos und einen Rundgang genügen 15 Minuten, zusammen mit den Mauern am Arsenal etwa eine Stunde. Touristische Auskünfte erteilt das Promotionsbüro der Gemeinde Prudnik (Tel. +48 77 406 62 63). Prudnik liegt direkt an der tschechischen Grenze, ein Abstecher ins Oppagebirge bietet sich an.
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