Märkte & Altstädte
Prudnik, Oppeln
Der rechteckige Marktplatz von Prudnik (Neustadt in Oberschlesien) wurde mit der „flämischen Schnur“ vermessen, einem mittelalterlichen Längenmaß – deshalb ist der Platz genau einen Morgen groß. In der Mitte steht das Rathaus mit einem 63 Meter hohen Turm, in drei Ecken barocke Denkmäler: eine Mariensäule von 1694, der älteste Brunnen im Oppelner Schlesien von 1696 und eine Statue des hl. Johannes Nepomuk von 1733. Ein guter Ausgangspunkt für eine der ältesten Städte der Region, die 1279 Magdeburger Stadtrecht erhielt.
Urkundlich erwähnt wird der Platz 1481. Das erste, hölzerne Rathaus brannten die Schweden 1627 nieder, sein Nachfolger wurde 1650, 1653, 1735 und 1779 durch Brände beschädigt. Das letzte Feuer brach am 28. Februar 1779 nach österreichischem Artilleriebeschuss im Bayerischen Erbfolgekrieg aus – fast die ganze Stadt brannte, und zum Löschen fehlte Wasser, weil es seit zwei Monaten nicht geregnet hatte. Das heutige Rathaus nach Plänen des Architekten Thomas aus Schweidnitz wurde im Oktober 1782 mit Geld Friedrichs II. fertiggestellt; daran erinnert eine Marmortafel über der Turmtür. Sechs Jahre später übernachtete König Friedrich Wilhelm II. im Rathaus, ihm zu Ehren wurde ein Ball gegeben.
1840–1842 wurde das Rathaus um anderthalb Geschosse aufgestockt, 1856 erhielt der Turm ein weiteres Stockwerk. Ein Luftangriff im März 1945 zerstörte die Nordseite des Platzes und den Großteil der Bebauung in seiner Mitte; Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre wurden viele alte Häuser abgerissen, 1959–1963 entstand neue Bebauung. Das Rathaus blieb erhalten. Im Jahr 2000 holte man aus der Kugel auf der Turmspitze eine verlötete Kapsel mit Dokumenten von 1842, Münzen, einer Zeitung und einem Stück Vogelknochen – das Original kam ins Museum des Prudniker Landes, eine Kopie und eine neue Kapsel wieder auf den Turm.
Der Platz ist jederzeit zugänglich; ein Rundgang entlang aller vier Seiten mit den Denkmälern dauert etwa eine halbe Stunde. Das Rathaus ist nicht Sitz des Bürgermeisters – hier sind unter anderem das Standesamt und das Büro der Euroregion Praděd untergebracht. Gehen Sie anschließend zum Wok-Turm, einem ehemaligen Burgturm, benannt nach Wok von Rosenberg, der als Gründer der Stadt gilt.
Eintritt frei
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