Technikdenkmäler
Gdingen, Pommern
Rund 300 m vor dem Strand von Babie Doły in Gdynia ragt eine Betonruine aus der Danziger Bucht wie ein gestrandetes Schiff. Das ist die Torpedohalle – eine Montage- und Versuchshalle für Torpedos, die die Deutschen im Zweiten Weltkrieg auf im Meer versenkten Senkkästen errichteten. Betreten darf sie seit Jahren niemand, und doch ist sie zu einem der bekanntesten Anblicke der Küste von Gdynia geworden.
Im besetzten Gdynia (Gotenhafen) gab es zwei deutsche Torpedo-Versuchsanstalten. In Oksywie die Torpedoversuchsanstalt Oxhöft der Kriegsmarine, in Babie Doły (Hexengrund) den Torpedowaffenplatz Hexengrund der Luftwaffe, feierlich eröffnet am 4. Juli 1942. Die Anlage in Babie Doły arbeitete vor allem an Lufttorpedos, die in Oksywie an akustischen Torpedos. Verbunden waren beide durch eine Schmalspurbahn am Strand, die die Deutschen selbst spöttisch „Kaschubischer Express“ nannten. Laut einem Forscher der Polnischen Marineakademie arbeiteten in Werkstätten, Montagehallen und auf dem Testgelände rund 2500 Menschen, und täglich wurden im Schnitt mehr als 200 Lufttorpedos aus der Torpedohalle abgefeuert oder von Flugzeugen abgeworfen, die vom Flugplatz Babie Doły starteten.
Das Gebäude vereinte eine Montagehalle mit technischen Räumen und einem Beobachtungsturm, von dem aus die Bahn jedes Torpedos verfolgt wurde. Eine Seebrücke verband es mit dem Ufer, über sie brachte die Schmalspurbahn Bauteile zur Endmontage. Die Testtorpedos wurden anschließend von Schiffen geborgen und in den Werkstätten ausgewertet. Beide Anstalten nutzten ein gemeinsames Testgebiet in der Danziger Bucht auf der Höhe von Jastarnia, etwa 12 km von Babie Doły entfernt. Die baugleiche Torpedohalle in Oksywie, „Formosa“ genannt, wird bis heute von der Marine genutzt.
Nach dem Krieg übernahm die Rote Armee den Großteil der Ausrüstung und brachte sie in die UdSSR. Das Gebäude wurde nie instand gesetzt, das Hafenbecken verschlammte. Bis in die 1980er-Jahre übten hier Militärtaucher. Nach strengen Wintern um 1980 stürzte die Vorderwand ein, Mitte der 1990er-Jahre wurden die Reste der Seebrücke gesprengt. Die Ruine ist auch aus Film und Fernsehen bekannt: aus der Folge „Brzeg morza“ der Serie „Vier Panzersoldaten und ein Hund“, aus der Serie „1983“, aus „Kryminalni“ und aus dem Spielfilm „Superwizja“.
Die Torpedohalle kann nicht besichtigt werden – sie ist für Besucher geschlossen und durch mehrere hundert Meter Wasser vom Land getrennt. Am besten sehen Sie sie vom Strand in Babie Doły aus, bei guter Sicht und ruhiger See; aus der Nähe nur vom Boot. Für einen Strandspaziergang mit Blick auf die Ruine reicht eine Stunde. Versuchen Sie nicht, hinüberzuschwimmen – es ist eine beschädigte, ungesicherte Konstruktion.
Eintritt frei
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