Kirchen & Klöster
Krakau, Kleinpolen
Hinter einem Tor mit hebräischer Inschrift in der Szeroka-Straße liegt ein kleiner weißer Gebetssaal von nur 10,4 mal 5,1 Metern. Die Remuh-Synagoge ist die zweitälteste Synagoge Krakaus und die einzige der Stadt, in der regelmäßig Gottesdienste nach orthodoxem Ritus stattfinden. Rechts vom Toraschrein steht ein Stuhl, auf dem niemand sitzt – der Überlieferung nach betete hier der berühmte Rabbiner Moses Isserles.
Gestiftet hat sie Israel ben Josef, Kaufmann und königlicher Bankier, dessen Großvater aus Regensburg gekommen war. Laut Stiftungstafel errichtete er sie aus dem Erbe seiner Frau Malka und zu ihrem Gedenken. 1552 starben bei einer Epidemie mehrere Familienmitglieder, darunter Mutter, Frau und Schwiegertochter des Stifters. Die Tafel nennt das Jahr 1553, die Erlaubnis König Sigismund Augusts kam jedoch erst am 12. November 1556. Die Jahreszahl meint daher wohl den Entschluss zum Bau. Der erste Bau brannte am 1. April 1557 ab, 1558 begann man mit einer gemauerten Synagoge, vermutlich unter dem Krakauer Maurermeister Stanisław Baranek.
Ursprünglich hieß sie Neue Synagoge, zur Unterscheidung von der Alten Synagoge. Der heutige Name stammt vom hebräischen Akronym ReMU (ReMA) für Moses Isserles, den Sohn des Stifters und einen der bedeutendsten Kommentatoren des jüdischen Rechts. 1829–1830 wurde das Gebäude umgebaut und im Westen um eine Frauenabteilung erweitert. Während der Besatzung nutzten die Deutschen es als Lager für Feuerwehrgerät, die Ausstattung wurde verschleppt oder zerstört. 1947 erhielt die Gemeinde das Haus zurück, große Restaurierungen folgten 1958–1968 und 2008–2013.
Der angrenzende Friedhof wurde 1551 angelegt und bewahrt wertvolle Grabsteine aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Am meisten verehrt wird das Grab von Moses Isserles, der 1572 starb. Die Inschrift lautet: „Seit Mose ist keiner aufgestanden, der Mose gleich wäre.“ Auch seine erste Frau Golda ist hier begraben. An der Hofmauer erinnern Tafeln an die im Holocaust ermordeten Krakauer Juden.
Der Eingang liegt in der ul. Szeroka 40, über einen Hof, von dem aus Sie sowohl in die Synagoge als auch auf den Friedhof gelangen. Die Besichtigung dauert etwa 30–45 Minuten. Als aktives Gebetshaus ist die Synagoge am Schabbat und an jüdischen Feiertagen für Touristen geschlossen. Männer müssen den Kopf bedecken. Prüfen Sie aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittsregeln vorab. Achten Sie auf dem Friedhof auf die kleinen Steine, die auf die Gräber gelegt werden, besonders auf das des Remuh. Danach lohnt ein Spaziergang über die Szeroka zur Alten Synagoge und weiter zur Tempel-Synagoge in der Miodowa-Straße.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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