Kirchen & Klöster
Kalisz, Großpolen
Am 29. April 1945 rechneten polnische Priester im KZ Dachau mit ihrer Hinrichtung – stattdessen erlebten sie die Befreiung. Sie waren überzeugt, ihre Rettung dem hl. Josef zu verdanken, und drei Jahre später zogen über 300 Priester in einer Dankwallfahrt zu seinem Bild nach Kalisz. Die Kollegiatbasilika Mariä Himmelfahrt am plac św. Józefa ist heute das Nationale Heiligtum des hl. Josef – Schätzungen zufolge kommen jährlich rund 200.000 Pilger.
Die Kirche stiftete 1353 der Gnesener Erzbischof Jarosław Bogoria Skotnicki, 1359 wurde sie zur Kollegiatkirche erhoben. Erhalten sind der gotische Chor mit Sterngewölbe, die Sakristei und der Kapitelsaal. 1363 schenkte König Kasimir der Große der Kirche einen vergoldeten gotischen Kelch.
Am 3. August 1783 kam es zur Katastrophe: Beim Abriss des angrenzenden Erzbischofspalastes stürzten die Fassade und der mittlere Teil der Kirche ein. Chor, Sakristei und der Altar mit dem Bild blieben verschont. Der 1792 abgeschlossene Wiederaufbau gab der Kirche ihre spätbarocke Gestalt – sie wurde um 12 m verlängert und erhielt einen hohen Turm sowie eine Kapelle für das Gnadenbild. 1978 erhob Papst Paul VI. sie zur Basilica minor.
Um 1670 stiftete ein Bauer namens Stobienia aus dem Dorf Szulec aus Dank für seine Heilung ein Bild der Heiligen Familie und brachte es in die Kollegiatkirche. Der Maler ist unbekannt; vermutet wird ein Schüler von Tommaso Dolabella. Zwischen 1751 und 1779 verzeichnete der Kustos fast 500 Heilungen. 1783 krönte Papst Pius VI. in Rom eine Kopie des Bildes, das Original wurde am 15. Mai 1796 in Kalisz gekrönt. Nachdem Kronen und Metallverkleidungen im Oktober 1983 gestohlen worden waren, folgte am 29. September 1985 eine erneute Krönung.
In Dachau waren fast 3.000 Geistliche inhaftiert, 1.773 davon Polen. Die Priester hatten sich bereits 1940 in Sachsenhausen dem Schutz des hl. Josef anvertraut und beendeten im April 1945 eine Novene, nur Tage vor der Befreiung des Lagers. Die erste Wallfahrt ehemaliger Häftlinge fand vom 17. bis 19. April 1948 statt. Am 4. Juni 1997 betete Papst Johannes Paul II. im Heiligtum und feierte auf dem Platz neben der Basilika die Messe.
Die Basilika ist täglich von 6:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Es handelt sich um ein lebendiges Heiligtum – besuchen Sie es außerhalb der Messen; in der Kapelle des Gnadenbildes findet seit 2002 die Ewige Anbetung statt, verhalten Sie sich dort bitte still. Die Schatzkammer ist eine eigene Ausstellung; fragen Sie im Sekretariat des Heiligtums nach dem Zugang. Für die Basilika reichen 30–45 Minuten; der plac św. Józefa liegt im Zentrum von Kalisz, sodass sich der Besuch gut mit einem Stadtbummel verbinden lässt.
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