Kirchen & Klöster
Piaski, Großpolen
Über den Feldern Großpolens bei Gostyń erhebt sich eine Nachbildung der venezianischen Kirche Santa Maria della Salute. Ihre Kuppel misst 17 m im Durchmesser und ist 50 m hoch und gilt als größte Kuppel Polens. Genau genommen liegen Basilika und Oratorianerkloster auf dem Heiligen Berg (Święta Góra) im Weiler Głogówko in der Gemeinde Piaski, etwa 1,5–2 km östlich des Zentrums von Gostyń. Seit 2008 ist die Anlage ein Geschichtsdenkmal, die höchste Denkmalkategorie Polens.
Der Hügel war schon im Mittelalter ein Wallfahrtsort, 1468 stand hier eine Marienkapelle. 1512 erlaubte der Posener Bischof Jan Lubrański den Bau einer Kirche, und 1540 malte ein unbekannter Künstler aus der Region ein Bild der Muttergottes mit Kind, das bald als wundertätig galt. 1668 holte Adam Konarzewski die Oratorianer des hl. Philipp Neri hierher, die das Heiligtum bis heute betreuen.
Die heutige Kirche sollte Konarzewskis Dank für eine wundersame Heilung in der Kindheit sein. Er starb bald, und seine Witwe Zofia, geborene Opalińska, führte den Bau fort. Nach einer Italienreise beschloss sie, eine Kopie der venezianischen Kirche nach Plänen ihres Architekten Baldassare Longhena zu errichten. Die Arbeiten begannen 1677 unter Jerzy und Jan Catenazzi, 1698 wurde die Kirche geweiht, 1726–1728 setzte Pompeo Ferrari Kuppel und Laterne auf. Auch das Kloster entstand nach seinen Plänen.
1806 hielt sich hier Jérôme Bonaparte auf, Napoleons Bruder. Einigen Quellen zufolge gab es damals einen Plan, den Kaiser in Posen zu entführen und durch einen Doppelgänger zu ersetzen – den Oratorianer Stefan Błażewski. Der polnische Autor Waldemar Łysiak griff die Idee im Roman „Szachista“ (Der Schachspieler) auf. 1876, im Kulturkampf, lösten die preußischen Behörden das Kloster auf; die Oratorianer kehrten erst 1919 zurück. 1928 krönte Kardinal August Hlond das Gnadenbild, 1971 erhob Paul VI. die Kirche zur Basilica minor.
Für Basilika und einen Rundgang um den Hügel genügt etwa eine Stunde. Die Kuppel wirkt am besten aus der Entfernung, von den Zufahrtsstraßen aus Gostyń. Im Herbst lohnt sich das Oratorienfestival Musica Sacromontana, das seit 2006 stattfindet. Die Kirche ist in Gebrauch – während der Gottesdienste sollten Sie auf Besichtigungen verzichten; Messzeiten finden Sie auf der Website der Oratorianer.
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