Paläste
Rokosowo, Großpolen
Ecktürme mit Zinnen, ein trockener Graben und ein Wappen über dem Eingang – von Weitem wirkt die Residenz in Rokosowo wie eine Ritterburg. Tatsächlich ist sie ein romantisches Schloss der Familie Mycielski aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, entworfen vom Berliner Architekten Friedrich August Stüler. Seit 2023 firmiert es als Großpolnisches Schloss (Zamek Wielkopolski), mit einem für Spaziergänger offenen Park und sonntäglichen Führungen durch die Innenräume.
Die Idee zur neuen Residenz stammte von Karolina geb. Wodzicka, der Frau des Grafen Józef Mycielski, doch sie starb 1849 plötzlich in Warschau an Cholera. Gebaut wurde trotzdem: Das Schloss entstand Mitte des 19. Jahrhunderts anstelle eines bescheideneren Renaissance-Herrenhauses, zu dem zwei Zugbrücken führten – der Graben ist einer der wenigen Überreste davon. Am Giebel des Mittelrisalits stehen die Jahreszahl 1850 und eine Kartusche mit dem Mycielski-Wappen Dołęga.
Lange blieben die Mycielskis nicht. Nach Angaben des heutigen Betreibers ging die Residenz 1868 an Fürst Adam Konstanty Czartoryski, später an seinen Sohn Zygmunt und Enkel Jan Roman. 1939 mussten die Czartoryskis das Gut verlassen. Nach dem Krieg nutzte man das Schloss für Bildungszwecke, auf dem Gutshof entstand ein Staatsgut. Eine Generalsanierung erfolgte 1984–1986; von 2002 bis 2023 war hier ein Zentrum für Europäische Integration untergebracht, 2023 wurde die Revitalisierung von Schloss und Park abgeschlossen.
Zwei runde, viergeschossige Türme rahmen die Fassade, Zinnen krönen den gesamten Bau. Der Historiker Marcin Libicki beschrieb die Residenz als Erfüllung romantischer Träume nach Walter Scott, Byron und Mickiewicz, die englische Neugotik mit der Tradition des Florentiner Palazzo verbindet. Im Schloss befindet sich eine zweigeschossige Kapelle mit Kreuzgewölbe – die erste ihrer Art in Großpolen. An der Rückseite liegt der ehemalige Wintergarten.
Der englische Landschaftspark wurde um 1850 anstelle von Obst- und Ziergärten angelegt. Er umfasst rund 10 ha, davon 0,8 ha Teiche, mit gewundenen Wegen und einem Aussichtshügel. Als Naturdenkmäler geschützt sind unter anderem eine Platane, eine Stieleiche, eine Winterlinde, eine Esche und eine Birke.
Der Park ist täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet (Zeiten für die Herbst- und Wintersaison 2026); bei starkem Wind kann er wegen der alten Bäume geschlossen werden. Führungen durch die Innenräume gibt es sonntags um 13:00 und 15:00 Uhr, werktags nach telefonischer Vereinbarung. Das Café hat samstags und sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Wegen Hochzeiten und Konferenzen ist nicht immer das ganze Gebäude zugänglich – prüfen Sie vorab die Mitteilungen auf der Website. Für Park und Führung sollten Sie etwa 2 Stunden einplanen.
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