Denkmäler
Leszno, Großpolen
Das Rathaus in Lissa (Leszno) ist das Wahrzeichen der Stadt und steht mitten auf dem Marktplatz: ein klassizistischer Bau mit hohem Uhrturm, der seit 1639 mehrfach abbrannte und wieder aufgebaut wurde. Seine Geschichte verbindet die Adelsfamilie Leszczyński, den Pädagogen Johann Amos Comenius und die Fürsten Sułkowski – und seit der Sanierung 2020 zeigt es sich in heller, neuer Farbigkeit.
Lissa liegt in Großpolen, rund 70 km südlich von Posen (Poznań) und etwa 90 km nördlich von Breslau (Wrocław). Über die Schnellstraße S5 oder mit dem Regionalzug ist es gut erreichbar; aus Berlin fährst du am einfachsten mit dem Zug nach Posen und steigst dort um. Das Rathaus steht am Rynek 1, vom Bahnhof sind es 10–15 Minuten zu Fuß. Mit dem Auto parkst du am besten in den Straßen rund um die Altstadt. Der kompakte Markt lässt sich gut zu Fuß erkunden, und Cafés rund um das Rathaus laden zu einer Pause ein.
Das erste Rathaus entstand 1637–1639, vermutlich nach Plänen von Krzysztof Bonadura dem Älteren – ein spätrenaissancezeitlicher Bau mit Turm, oben Ratssaal und Gericht, unten Stadtwache und Gefängnis. Comenius, der die Gemeinde der Böhmischen Brüder in Lissa leitete, verglich es mit dem Renaissance-Rathaus in Posen.
Danach folgten Brände:
Die heutige klassizistische Gestalt mit spätbarocken Anklängen stammt aus dem Wiederaufbau 1786–1789, nach Angaben des städtischen Denkmalportals wohl nach Entwürfen von Dominik Merlini, der damals für die Sułkowski in Reisen (Rydzyna) arbeitete. Der Turm wurde erst 1817 vollendet – die Jahreszahl steht auf der Wetterfahne. Andere Angaben nennen für einen früheren Wiederaufbau Pompeo Ferrari; die Zuschreibungen gehen auseinander.
Aus preußischer Zeit stammen weitere Details: 1856, nach Eröffnung der Bahn Breslau–Posen, gab es im Rathaus die erste Morse-Telegrafenstation der Stadt außerhalb des Bahnhofs, und 1895 lieferte die Glogauer Turmuhrenfabrik Weiss ein neues Uhrwerk – die vergoldeten Minutenzeiger sind 1,6 m lang. Interessant auch: Um 1911 erwog der Magistrat sogar den Abriss des feuchten Altbaus. Der Provinzialkonservator in Posen und der Regierungspräsident stellten sich dagegen – so blieb das Rathaus erhalten.
Für einen Rundgang ums Gebäude reichen 20–30 Minuten. Ältere Fotos in Rosa-Rot sind überholt – seit 2020 ist die Fassade hell gestrichen.
Das Rathaus ist Amtssitz, kein Museum: Feste Öffnungszeiten für Innenräume oder Turm gibt es nicht, Turmbesteigungen fanden zu Veranstaltungen statt. Die Außenbesichtigung ist kostenlos. Frag bei Interesse vorab bei der Stadt oder der Touristeninformation nach.
Rund um den Markt stehen wiederaufgebaute Bürgerhäuser, in der Nähe das Bezirksmuseum. Etwa 10 km entfernt liegt das Barockschloss in Reisen (Rydzyna). Lohnt sich Lissa? Als ruhiger Zwischenstopp zwischen Posen und Breslau auf jeden Fall.
Eintritt frei
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Geprüft: Oktober 2026