Landschaftsparks
Turew, Großpolen
Dieser Park schützt weder Urwald noch Berge, sondern Ackerland, genauer gesagt ein Netz von Baumstreifen zwischen den Feldern. General Dezydery Chłapowski begann vor fast 200 Jahren, sie zu pflanzen. So entstand zwischen Kościan und Śrem eine in Europa seltene Agrarlandschaft: ein Mosaik aus Feldern, Alleen, Tümpeln und Gutsparks. Der Park wurde 1992 gegründet und umfasst 17.323 ha.
Dezydery Chłapowski wurde 1788 in Turew geboren. Er war Ordonnanzoffizier Napoleons, wurde Baron des Französischen Kaiserreichs und kämpfte später im Novemberaufstand von 1830 gegen Russland. Nach den Kriegen kaufte er seinem verschuldeten Vater Turew und Rąbiń ab. In den Jahren 1818–1819 ging er nach England und arbeitete ein Jahr lang körperlich auf einem Hof, um moderne Landwirtschaft zu lernen. Zu Hause ersetzte er die Dreifelderwirtschaft durch Fruchtwechsel und führte den Eisenpflug und den Klee ein. Innerhalb von 15 Jahren tilgte er die Schulden. Wegen seiner Teilnahme am Aufstand saß er ein Jahr in der Festung Stettin und schrieb dort das Lehrbuch „Über die Landwirtschaft".
Sein dauerhaftestes Erbe sind die Feldgehölzstreifen. Sie schützen die Felder vor Wind, mindern die Erosion und bieten Tieren Unterschlupf. Seit Jahrzehnten erforschen Wissenschaftler des Instituts für Agrar- und Waldumwelt der Polnischen Akademie der Wissenschaften das Gebiet. Der General starb 1879 und ist an der Kirche in Rąbiń begraben.
Felder nehmen etwa 65 % der Parkfläche ein, Wälder 14,7 %; das größte Waldgebiet ist der Rąbiń-Wald. Nachgewiesen sind rund 270 Pflanzenarten und 43 Schmetterlingsarten. Außerdem leben hier unter anderem Biber, Fischotter, Elche und Damhirsche.
Die Parkverwaltung weist darauf hin, dass die Alleen auch dem Ortolan Zuflucht bieten, einem kleinen Vogel, der in Europa rasch verschwindet. Einer Anekdote zufolge inspirierte sein Gesang die ersten Takte von Beethovens Fünfter Sinfonie. Durch den Park führt außerdem ein etwa 16 km langer Kreuzweg mit Metallreliefs von Kopaszewo zur Kirche in Rąbiń. Die Stationen wurden nach dem Tod von Zofia geb. Chłapowska, der Frau von Jan Koźmian, im Jahr 1853 gegossen, und die Parkverwaltung beschreibt den Weg als Erinnerung an ihre ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Die Parkverwaltung hat 4 Wanderwege, 10 Radrouten, 3 Lehrpfade und 2 Reitwege ausgewiesen. Beginnen Sie mit dem Lehrpfad in Turew (1 km). Der längere Ökopfad Rogaczewo Małe – Rogaczewo Wielkie – Rąbiń – Turew ist 12 km lang. Radfahrern empfiehlt die Verwaltung eine 28,5 km lange Runde ab Racot über Darnowo, Rąbiń, Turew und Stary Gołębin. Am schönsten ist es im Mai, wenn bei Rąbiń der Weißdorn blüht, und im Juni, wenn am Chłapowski-Weg die Robinien blühen und die Linden in Racot von Bienen summen. Die Alleen spenden Schatten, dazwischen liegen aber offene Felder: Nehmen Sie Wasser mit und betreten Sie keine Äcker. Eine nette Ergänzung ist die Draisinenbahn in Krzywiń.
Eintritt frei
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