Kirchen & Klöster
Strzelno, Kujawien-Pommern
Ein runder Saal aus Granitquadern, ein quadratischer Chor und ein Turm mit hufeisenförmigem Grundriss: Die Sankt-Prokop-Rotunde in Strzelno ist die größte romanische Kirche Polens auf kreisrundem Grundriss. Sie überstand die Umnutzung als Klosterpforte, die Schändung durch napoleonische Soldaten und deutsche Sprengladungen im Jahr 1945. Seit 2018 ist sie zusammen mit der benachbarten Basilika ein Geschichtsdenkmal, die höchste Denkmalkategorie Polens.
Laut dem mittelalterlichen Chronisten Jan Długosz wurde die Kirche am 16. März 1133 geweiht, doch die Forschung ist sich uneins: Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Rotunde und benachbarte Prämonstratenserinnenkirche parallel entstanden und Anfang des 13. Jahrhunderts fertig waren. Urkunden von 1213 nennen sie Heilig-Kreuz-Kirche, vermutlich die Kapelle des Klosterstifters. Um 1500 wurde der obere Teil des Turms abgetragen und in Backstein neu aufgemauert. Später verlor die Rotunde ihre sakrale Funktion und wurde als Pforte in die Klostergebäude einbezogen. Im 18. Jahrhundert kehrte der Gottesdienst zurück, bei der Weihe 1779 erhielt die Kirche das Patrozinium des heiligen Prokop.
1812 schändeten napoleonische Soldaten die Kirche und nutzten sie als Wirtschaftsraum; dabei wurden die nördlichen Apsiden abgerissen. Bei der ersten Restaurierung 1892 baute man sie wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg diente die Rotunde als Lager, und 1945 legten deutsche Truppen Sprengladungen. Explosion und Brand zerstörten den oberen Turm und die gesamte Ausstattung, die Granitmauern hielten jedoch stand. In den Jahren 1948–1952 gaben Denkmalpfleger dem Bau seinen romanischen Charakter zurück.
Links im Chor steht eine Rekonstruktion des Stiftertympanons. Das Original wurde 1945 zerstört, nur der Kopf Christi blieb erhalten; die Kopie entstand nach einem Abguss aus dem Nationalmuseum Krakau und Fotos aus dem Archiv der Denkmalbehörde in Posen. In der Mitte thront Christus, links kniet ein junger Stifter mit einem Modell der Kirche, rechts steht eine Frau mit offenem Buch, wohl die Priorin. Das Modell auf dem Relief gleicht exakt der heutigen Rotunde. Stifter war vermutlich der Woiwode Krystyn, Sohn des Piotr Wszeborowicz.
Die Rotunde steht am plac św. Wojciecha 1 direkt neben der Dreifaltigkeitsbasilika – und genau dort, nicht in der Rotunde, befinden sich die berühmten romanischen Säulen mit Darstellungen der Tugenden und Laster. Planen Sie beide Kirchen zusammen ein, dafür genügen 1–1,5 Stunden. Öffnungszeiten nennen wir nicht, da sie von Pfarrei und Saison abhängen; rufen Sie vorab bei der Pfarrei oder der Touristeninformation in Strzelno an. Das schönste Licht auf den Granitmauern haben Sie am Vormittag, wenn die Sonne auf die Ostseite mit dem Chor fällt. Strzelno liegt an der Piastenroute, einer Kulturroute zu Orten des frühen polnischen Staates, und lässt sich gut mit Kruszwica und Mogilno verbinden.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
Booking.com
Hotels, Pensionen und Apartments in der Nähe von Sankt-Prokop-Rotunde in Strzelno.
Affiliate-Link — wir können eine Provision für Buchungen erhalten.