Aussichtspunkte
Kruszwica, Kujawien-Pommern
Nach den Chronisten fraßen Mäuse den grausamen Fürsten Popiel in einem Turm über dem Gopło-See – nur entstand der heutige Mäuseturm fast vierhundert Jahre nach der Zeit, in der die Legende spielen soll. Es ist ein achteckiger Backsteinturm von 32 Metern Höhe, der einzige erhaltene Teil der Burg Kasimirs des Großen in Kruszwica. Von oben sieht man bei klarer Sicht Inowrocław, Strzelno und Radziejów, darunter die Buchten und Inseln des Gopło.
Der erste gemauerte Turm an dieser Stelle, rund und aus Stein, stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der heutige Backsteinturm entstand um 1350, als Kasimir der Große an der Stelle einer alten Burganlage eine neue Burg errichten ließ. Sie hatte einen annähernd rechteckigen Grundriss, 11 Meter hohe Mauern, einen Graben und eine Palisade; der Turm in der Nordwestecke diente als Beobachtungsposten und letzte Zuflucht der Verteidiger. Die Burg sicherte die Grenze zum Deutschordensstaat und war nach dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 nur noch Sitz der Kastellanei und der Starostei.
Während der schwedischen Invasion, der sogenannten Sintflut, hielten die Schweden die Burg zwei Jahre lang besetzt und zerstörten bei ihrem Abzug 1657 Stadt und Festung. Erhalten blieben nur der Turm und Mauerreste. 1802 wurden erste Restaurierungsarbeiten durchgeführt, 1896 wurde der Turm verstärkt und für Besucher geöffnet. Seitdem ist er der wichtigste Aussichtspunkt von Kruszwica.
Die Geschichte von Popiel, den zur Strafe die Mäuse fraßen, erzählt bereits der Chronist Gallus Anonymus im 12. Jahrhundert, nach Kruszwica verlegte sie aber erst die spätere Großpolnische Chronik. Eine ähnliche Sage vom bösen Herrscher, der in einem Turm von Mäusen gefressen wurde, gibt es auch zum Mäuseturm in Bingen am Rhein, weshalb man lange glaubte, die Legende sei aus dem Westen übernommen worden. Der Historiker Jacek Banaszkiewicz zeigte jedoch, dass die polnische Fassung älter ist als die deutschen „Mäusesagen“ und auf gemeinsame, ältere Symbolik zurückgeht. Örtliche Führer nennen noch andere Erklärungen für den Namen, etwa die Herkunft von einem Geschlecht namens Myszkowie.
Der Turm steht am Ansatz der Halbinsel Rzępowski, wenige Gehminuten vom Zentrum Kruszwicas entfernt. Nach oben geht es über Treppen im Inneren des Turms, rechnen Sie also mit einem Aufstieg. Besichtigungen und Schiffsfahrten auf dem Gopło mit der „Rusałka“ organisiert die Ortsgruppe des Touristenverbands PTTK in Kruszwica (Tel. +48 52 35 15 380) – dort erfahren Sie die aktuellen Öffnungszeiten und Preise. Für Turm und Burghügel reicht etwa eine Stunde; danach lohnt sich der Weg ans andere Ufer zur romanischen Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert.
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