Technikdenkmäler
Gleiwitz, Schlesien
Der Sender Gleiwitz in Gliwice ist einer der bekanntesten Orte der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Am Abend des 31. August 1939 inszenierten SS-Männer hier einen angeblichen polnischen Überfall, den die NS-Propaganda als Vorwand für den Angriff auf Polen nutzte. Zugleich ist die Anlage ein herausragendes Technikdenkmal: Der 111 Meter hohe Holzturm gilt als höchste erhaltene Holzkonstruktion Europas. Heute gehört der Sender zum Museum in Gliwice und steht als polnisches Geschichtsdenkmal unter besonderem Schutz.
Gleiwitz (Gliwice) liegt in Oberschlesien, rund 25 km westlich von Kattowitz (Katowice); bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich. Aus Dresden oder Görlitz erreichst du Gliwice über die A4 in etwa vier Stunden, der nächste Flughafen ist Katowice-Pyrzowice. Der Sender liegt in der ul. Tarnogórska 129 im Norden der Stadt, gut erreichbar mit Stadtbus oder Taxi.
Der Plan kam aus der Reichsführung: Polen sollte als Angreifer erscheinen. Ein kleines SS-Kommando unter SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks, als Polen verkleidet, besetzte gegen 20 Uhr den Sender und verlas eine kurze antideutsche Botschaft auf Polnisch. Das Signal zum Losschlagen lautete „Großmutter gestorben"; geplant wurde die Aktion vom Schloss Slawentzitz (Sławięcice) aus. Zurück blieb die Leiche von Franciszek (Franz) Honiok, einem 43-jährigen oberschlesischen Landwirt mit pro-polnischer Gesinnung, den die Gestapo am Vortag verhaftet, betäubt und erschossen hatte. Der Überfall war Teil der sogenannten Unternehmen Himmler, einer Serie inszenierter Grenzzwischenfälle. Vieles darüber wissen wir aus Naujocks' eidesstattlicher Erklärung für die Nürnberger Prozesse. Hitler erwähnte Gleiwitz in seiner Reichstagsrede nicht ausdrücklich, sprach aber von polnischen Angriffen – am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Noch am selben Abend beschuldigte der Berliner Rundfunk Polen, am Morgen des 1. September überschritt die Wehrmacht die Grenze. Die Ausstellung erzählt diese Geschichte sachlich und ohne Effekthascherei – ein Besuch, der zum Nachdenken anregt.
Den Turm errichtete 1935 in fünf Monaten die Firma Christoph & Unmack aus Niesky in der Oberlausitz; am 22. Dezember 1935 ging der Sender in Betrieb. Von 53 solcher Holztürme, die in Deutschland gebaut wurden, ist der Gleiwitzer einer der wenigen erhaltenen.
Den Turm darfst du nicht besteigen, aber der Rundgang im Park zeigt seine Dimensionen eindrucksvoll. Abends leuchten Tausende LEDs.
Der Sender lief bis zum 22. Januar 1945, als die Rote Armee in die Stadt kam; im Mai 1945 wurde die Anlage an Polen übergeben. Ab Herbst 1945 sendete hier der Polnische Rundfunk Kattowitz, 1950–1956 diente die Anlage als Störsender gegen Radio Free Europe. 2002 kaufte die Stadt das Gelände, 2005 übernahm es das Museum, 2017 wurde es zum Geschichtsdenkmal Polens erklärt.
Im Sendegebäude ist die technische Ausstattung der 1930er-Jahre von Lorenz, Telefunken und Siemens & Halske fast vollständig erhalten. Höhepunkt ist der 12-kW-Sender von Lorenz, der 1963 nach Warschau ins Technikmuseum kam und 2013 zurückkehrte. Erhalten sind auch der Kontrolltisch, Steuerungsgestelle und die Wasserkühlung der Senderöhren im Keller. Die erste Gleiwitzer Rundfunkstation von 1925 stand übrigens an einem anderen Ort, in der heutigen ul. Radiowa; der Sender an der Tarnowitzer Landstraße war ihr leistungsstärkerer Nachfolger mit zunächst 8 kW.
Eintritt: 20 PLN, ermäßigt 10 PLN, Familie 30 PLN. Samstags ist der Eintritt für alle frei. Der Park um den Turm ist kostenlos. Führungen auf Englisch kosten 250 PLN pro Gruppe; Anmeldung unter +48 32 300 04 04 oder info@muzeum.gliwice.pl.
Der Sender ist kein Ort für einen schnellen Fotostopp: Die Ausstellung erklärt, wie Propaganda einen Angriffskrieg vorbereitete. Für Kinder im Schulalter ist der Besuch gut geeignet, wenn du die Geschichte vorher kurz erklärst. Der Park mit dem Turm eignet sich danach für eine Pause; am besten wirkt der Turm bei klarem Himmel oder abends mit Beleuchtung.
Ja – für Geschichtsinteressierte ein Pflichtziel in Oberschlesien. Plane 1–1,5 Stunden ein; die Wege im Park sind auch mit Kinderwagen gut zu bewältigen. Kombiniere den Besuch mit der Route der Technikdenkmäler in der Woiwodschaft Schlesien.
Muzeum: wt. i pt. 11:00–16:00, śr. i czw. 11:00–18:00, sob.–nd. 10:00–17:00, pon. nieczynne; park wokół wieży bezpłatny.
Normalny 20 zł, ulgowy 10 zł, rodzinny 30 zł, grupowy 5 zł/os.; soboty bezpłatne dla wszystkich; park wokół wieży bezpłatny.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026