Denkmäler
Banie Mazurskie, Ermland-Masuren
Im Wald beim Dorf Rapa, zwischen Banie Mazurskie und Gołdap, steht eine 15,9 m hohe Steinpyramide. Sie ist die Grabstätte der preußischen Barone von Fahrenheid, und die hier bestatteten Leichname wurden auf natürliche Weise mumifiziert. Um das Bauwerk ranken sich so viele Legenden, dass sich Fakten und Erzählungen bis heute kaum trennen lassen – und genau das lockt Besucher an.
Die Familie Fahrenheid besaß Rapa seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts; sie hatte das Gut von Christoph von Rap gekauft, nach dem das Dorf benannt ist. Ihr Hauptsitz war das gut ein Dutzend Kilometer nördlich gelegene Beynuhnen (Bejnuny), heute im russischen Gebiet Kaliningrad, wo sie eine beachtliche Sammlung von Skulpturen und Gemälden zusammentrug. Baron Friedrich von Fahrenheid, Sammler und Mäzen, der in Königsberg Vorlesungen von Immanuel Kant gehört hatte, lernte in Paris die Ägyptenmode nach Napoleons Feldzug kennen. Der gängigsten Version zufolge beschloss er daraufhin, ein pyramidenförmiges Grabmal zu bauen, das die Mumifizierung begünstigen sollte.
Die Datierung ist unsicher: Meist wird 1811 genannt, aber auch 1808 und 1795. Der Archäologe Jerzy Łapo vom Museum in Węgorzewo hält es für wahrscheinlich, dass der Bau 1792–1795 entstand und zunächst als Eiskeller diente – wie ähnliche Bauten in Chambourcy und Potsdam – und erst Anfang des 19. Jahrhunderts zur Grabkapelle wurde. Eine andere These verbindet die Pyramidenform mit den freimaurerischen Interessen von Baron Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheid (1747–1834).
Als Erste wurde die dreijährige Tochter des Barons, Ninette, im Jahr 1811 in der Pyramide beigesetzt. Insgesamt ruhen hier sieben Familienmitglieder, darunter seit 1849 der Erbauer selbst, außerdem Angehörige der Familien von Bujack und von Altenstadt. Zaristische Soldaten plünderten das Innere 1914–1915, Rotarmisten erneut 1945; 1977 wurden die Gebeine geschändet.
Der Entwurf wird oft dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen zugeschrieben, dessen Mäzene die Fahrenheids waren, eindeutige Belege gibt es dafür jedoch nicht. Historikern zufolge war der Initiator des Baus mit Daniel Gabriel Fahrenheit verwandt, dem Erfinder des Quecksilberthermometers. Die beliebte Legende von einem Familienessen, bei dem sich alle an Pilzen vergifteten, hält einem Vergleich mit den Bestattungsdaten nicht stand.
2015 untersuchten Wissenschaftler des Instituts für Archäologie der Universität Warschau die Pyramide, fertigten einen 3D-Scan an und führten anthropologische Untersuchungen der Gebeine durch. Ein Jahr später wurden die Wände und die einsturzgefährdete Decke gesichert. 2018 ließ das Forstamt Czerwony Dwór, auf dessen Gebiet das Bauwerk steht, es für 890.000 PLN aus dem Forstfonds restaurieren.
Das Innere ist für Besucher nicht zugänglich, die Särge sind geschlossen – hineinblicken können Sie durch die vergitterten Fensterchen an den Seiten und auf der Rückseite. Von der Straße führt eine Schneise entlang des alten Damms zur Pyramide. Für den Besuch selbst genügen 20–30 Minuten; im Sommer ist Mückenschutz im Wald hilfreich. Gut kombinieren lässt sich der Abstecher mit einem Ausflug nach Gołdap oder an die Seen im Norden Masurens.
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