Paläste
Rajcza, Schlesien
Zu den Gästen von Fürst Władysław Lubomirski im Schloss Rajcza gehörten die Komponisten Karol Szymanowski, Grzegorz Fitelberg und Ludomir Różycki. Die Neorenaissance-Residenz an der Soła in den Saybuscher Beskiden wurde 1895–1896 für den Fürsten umgebaut und 1914 von der Saybuscher Linie der Habsburger gekauft. Seit über hundert Jahren dient sie Kranken – heute beherbergt sie eine Pflegeeinrichtung, umgeben von einem Park mit sechs Naturdenkmälern.
Den ersten Herrensitz errichtete um 1809 Agnieszka Siemońska, geborene Jordan; Anastazy Siemoński baute ihn zum Gutshaus aus und gründete in Rajcza ein Eisenhammerwerk. 1854 kaufte Teodor Primavesi das Gut, dessen Familie am Wiener Hof bestens vernetzt war; er fügte neugotische Elemente hinzu. 1894 erwarb Fürst Eugeniusz Lubomirski Rajcza für seinen Sohn Władysław, der dem Schloss 1895–1896 sein heutiges Aussehen gab: Er stockte es um ein Geschoss auf und krönte die Risalite am Eingang mit Giebeln im Stil der nordischen Renaissance. In seiner Glanzzeit hatte das Schloss 26 Zimmer mit Stuckdekor.
Am 4. Mai 1914 kaufte Erzherzog Karl Stephan von Habsburg, Herr der Saybuscher Güter, das Schloss. 1916 richtete er darin ein Lazarett und Sanatorium für Soldaten ein, und 1917 schenkte er es dem Polnischen Roten Kreuz als Lungenklinik.
Während der deutschen Besatzung entstand auf dem Schlossgelände ein Zwangsarbeitslager für die örtlichen Juden und 1940 eine Sammelstelle für die in der „Aktion Saybusch“ vertriebenen Polen. 1945 verwüsteten sowjetische Soldaten die Innenräume. 1954 wurde hier ein staatliches Tuberkulose-Sanatorium eingerichtet, 1966–1967 kam ein Flügel mit Kapelle hinzu, und nach einer Generalsanierung 1999 zog eine öffentliche Pflegeeinrichtung ein.
Der Landschaftspark aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt am Fuß und am Hang des Hügels Cząpel. Zwischen Fichten, Buchen, Eschen und Ahornen stehen 6 Naturdenkmäler: zwei Weymouth-Kiefern mit 310 cm Stammumfang, eine Winterlinde mit 470 cm, ein Bergahorn (340 cm), eine Bergulme (320 cm) und eine Stieleiche (310 cm). Die Anlage mit Nebengebäuden steht seit 1988 unter Denkmalschutz.
Das Schloss in der ul. Ujsolska 35 ist eine aktive medizinische Einrichtung – betrachten Sie es von außen und nehmen Sie Rücksicht auf die Patienten. Den besten Blick auf die Südfassade haben Sie vom Park aus. Rajcza liegt an der Bahnlinie Żywiec–Zwardoń und eignet sich gut als Zwischenstopp auf dem Weg in die höheren Saybuscher Beskiden. Ein Spaziergang dauert etwa 30 Minuten.
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