Paläste
Trzebinia, Kleinpolen
Der Palast in Młoszowa bei Trzebinia ist eine der kuriosesten Residenzen Kleinpolens: ein „Schloss“ aus dem 19. Jahrhundert, dem seine Besitzer eine erfundene mittelalterliche Vergangenheit verpassten — samt falscher Gedenktafeln und einem fiktiven Schwedengrab. Rundherum liegt ein romantischer Landschaftspark von gut 11 Hektar mit Toren, Türmen, Bastionen und Skulpturen von Franciszek Wyspiański, dem Vater des Malers Stanisław Wyspiański. Ein lohnender Abstecher zwischen Krakau (Kraków) und Kattowitz (Katowice).
Młoszowa gehört zur Gemeinde Trzebinia und liegt rund 40 km westlich von Krakau, nahe der Autobahn A4 Krakau–Kattowitz. Wer aus Deutschland anreist, fährt über die A4 (von Görlitz über Breslau/Wrocław und Oppeln/Opole) — die Ausfahrt Richtung Trzebinia liegt kurz hinter Kattowitz. Im nahen Trzebinia halten Züge der Strecke Krakau–Kattowitz, bequemer ist aber das Auto. Am Objekt gibt es kostenlose Parkplätze. Adresse: ul. Florkiewicza 1, 32-540 Młoszowa.
Das Dorf ist seit dem 14. Jahrhundert belegt, der Palast entstand an der Stelle eines älteren Gutshofs. Um 1800 kaufte der Advokat Kajetan Florkiewicz aus Kęty das Gut. Ab 1809 baute er das Herrenhaus um, umgab das Gelände mit einer Kalksteinmauer und legte einen großen Teich an; 1824 folgte ein englischer Garten mit Lauben, Rotunde, Grotte und chinesischem Pavillon.
In den Jahren 1859–1869 machte Juliusz Ozdoba-Florkiewicz daraus eine neugotische Burg — und erfand die passende Geschichte dazu: eine Festung aus dem 17. Jahrhundert und eine ritterliche Ahnenreihe, obwohl die Familie bürgerlich war. Die ausgedachte Chronik veröffentlichte er 1865 und 1880 anonym, an den Wänden ließ er Epitaphe für nie geschehene Ereignisse anbringen, im Park ein Grab schwedischer Soldaten. Kunsthistoriker sehen in Młoszowa ein Paradebeispiel für Mystifikation in der polnischen Kunst.
1896 ging das Gut an Graf Juliusz Potocki, der 1898 den Südflügel im Stil der französischen Renaissance nach Plänen von Zygmunt Hendel umbauen ließ — daher der bewusst uneinheitliche Baukörper. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Gebäude als Wohnungen und Schule; Bergschäden einer nahen Grube brachten das Königstor zum Einsturz. Seit 2018 gehört der Komplex der Berg- und Hüttenakademie AGH in Krakau.
Der Park ist für Besucher offen, der Eintritt kostenlos. Die Innenräume sind nicht regelmäßig zugänglich — laut regionaler Tourismusinformation nur gelegentlich, vor allem im Sommer. Die AGH saniert den Komplex (Projekt im Umfang von rund 14 Mio. PLN), einzelne Bereiche können abgesperrt sein. Für einen Rundgang solltest du 1–1,5 Stunden einplanen. Die Wege sind unbefestigt und hügelig, mit Kinderwagen oder Rollstuhl also mühsam.
Für Fans skurriler Geschichte und verwunschener Parks: ja. Gut kombinierbar mit dem türkisfarbenen Steinbruchpark Gródek im nahen Jaworzno. Ein eingerichtetes Schlossmuseum darfst du hier allerdings nicht erwarten.
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Geprüft: Oktober 2026