Kirchen & Klöster
Krzeszowice, Kleinpolen
Die neugotische St.-Martin-Kirche an der Krzeszówka trägt die Handschrift eines der berühmtesten Architekten im Europa des 19. Jahrhunderts. Entworfen hat sie Karl Friedrich Schinkel, der bedeutendste preußische Architekt seiner Zeit, gestiftet Artur Potocki, der Krzeszowice von seiner Großmutter Izabela Lubomirska geerbt hatte. Nach Angaben der Autoren der Pfarrchronik war sie die erste Kirche auf polnischem Boden im neugotischen Stil – und zugleich das Mausoleum der Krzeszowicer Linie der Potockis.
Eine hölzerne St.-Martin-Kirche stand hier vermutlich schon 1337; sie wurde 1829 abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. 1819 bestellte Potocki Entwürfe bei den Pariser Architekten Charles Percier und Pierre-François-Léonard Fontaine, die jedoch nicht verwirklicht wurden. Schinkels Skizze lag 1823 vor und sah eine zweigeschossige Kirche mit unterirdischem Mausoleum vor, in das die vorbeifließende Krzeszówka einbezogen werden sollte – das Untergeschoss sollte nur vom Wasser aus zugänglich sein. Schließlich verzichtete man auf die Gruftebene und kürzte die Kirche um ein Joch. Der Bau begann 1832, ruhte nach dem Tod des Stifters und wurde 1840 unter dem deutschen Baumeister Hoffbauer fortgesetzt. 1844 wurde die Kirche geweiht, die Ausstattung dauerte bis 1872, die kanonische Konsekration folgte 1874. 1921 übergab Gräfin Krystyna Potocka die Kirche der Pfarrei.
In der Gruft unter der Kirche ruhen 15 Mitglieder der Krzeszowicer Linie der Potockis, darunter Andrzej Potocki, Statthalter Galiziens, der von einem ukrainischen Nationalisten ermordet und 1908 hier beigesetzt wurde; die letzten Bestattungen fanden 1995 und 2006 statt. In der Kapelle mit dem Martinsbild von Franciszek Paszkowski wurde 2002 ein Stein vom Grab des hl. Martin in Tours eingemauert. Die Kirche hat zudem Bewohner, von denen kaum jemand weiß: Kirche und Umgebung bilden das Natura-2000-Gebiet „Krzeszowice“, das eine Wochenstube der Wimperfledermaus schützt – die zweitgrößte in Polen.
Die Kirche steht im westlichen Teil des Zentrums von Krzeszowice an der Krzeszówka und ist eine aktive Pfarrkirche – besichtigen Sie das Innere außerhalb der Messen. Für Fassade und Innenraum genügen etwa 30 Minuten. Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch das Zentrum von Krzeszowice, das die Potockis über hundert Jahre als ihren Familiensitz prägten. Denken Sie daran, dass in der Kirche eine geschützte Fledermauskolonie lebt – stören Sie sie nicht.
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