Paläste
Białystok, Podlachien
Im 19. Jahrhundert verschwanden aus den Gärten des Branicki-Palastes mehr als hundert Skulpturen — angeblich, weil die nackten Figuren die Zöglinge des zaristischen Instituts für adelige Fräulein verderben könnten, das im Palast eingerichtet worden war. Es ist nur eine von vielen Wendungen in der Geschichte des „Versailles von Podlachien“, der Barockresidenz des Großhetmans Jan Klemens Branicki, in der Könige, ein Kaiser und ein späterer König von Frankreich zu Gast waren. Heute ist der Palast im Zentrum von Białystok Sitz der Medizinischen Universität; die Innenräume können bei Führungen besichtigt werden.
Die Anfänge reichen ins 16. Jahrhundert zurück, als der königliche Baumeister Hiob Bretfus hier für Piotr Wiesiołowski eine gemauerte Burg mit Wassergraben und Erdwällen errichtete. Mitte des 17. Jahrhunderts erhielt Hetman Stefan Czarniecki die Güter von Białystok, über seine Tochter gingen sie an die Familie Branicki mit dem Greif im Wappen. In den Jahren 1691–1697 baute Tylman van Gameren die Burg zu einer Barockresidenz um; einer der alten Türme wurde dabei zum Treppenhaus.
Ihre ganze Pracht erhielt die Residenz unter Jan Klemens Branicki, der selbst nach der Königskrone strebte. Ab 1728 leitete Johann Sigmund Deybel die Arbeiten: Er fügte ein Geschoss hinzu, einen Giebel mit dem Greifenwappen und Seitenflügel, die einen hufeisenförmigen Ehrenhof umschließen. Von 1750 bis 1771 gab Jakub Fontana dem Bau seine endgültige Gestalt und die Rokoko-Innenräume; das Prunktreppenhaus mit Skulpturen von Jan Chryzostom Redler entstand 1754.
Am Hof der Branickis verkehrten August II. und August III., Bischof Ignacy Krasicki und nach dem Tod des Hetmans häufig auch König Stanislaus August Poniatowski, der Bruder seiner Witwe. 1780 kam Kaiser Joseph II., 1782 Großfürst Paul von Russland und 1798 der spätere französische König Ludwig XVIII. Es gab ein Theater, ein Orchester und ein Ballett, und die Dichterin Elżbieta Drużbacka lebte hier. 1754 gründete der Hetman am Palast die erste Militärschule Polens, eine Schule für Militärbau und Ingenieurwesen.
Nach dem Untergang der Adelsrepublik wurde die Residenz an den König von Preußen verkauft, nach 1807 fiel sie an Russland. 1826 schlug man die Skulpturen von der Attika und entfernte die barocken Turmhauben; das Theater des Hetmans wurde abgerissen, sein Bühnenvorhang in vier Teile zerschnitten und in England verkauft. 1944 zerstörten die abziehenden deutschen Truppen den Palast zu etwa 70 Prozent. Der Wiederaufbau von 1946 bis 1960 stellte das Äußere des 18. Jahrhunderts wieder her, manche Innenräume wurden jedoch nur ungenau rekonstruiert. Seit 1950 gehört der Palast der medizinischen Hochschule.
Die Innenräume sind nur mit einem Guide des Museums für Geschichte der Medizin und Pharmazie zugänglich, nach vorheriger telefonischer Reservierung. Route I dauert 90 Minuten und umfasst die Keller aus dem 17. Jahrhundert, die medizinhistorischen Ausstellungen und — sofern zugänglich — die Prunkräume (35 PLN, ermäßigt 25 PLN). Route II (60 Minuten, 30 PLN/20 PLN) lässt die Palasträume aus. Das Museumsbüro ist dienstags bis freitags von 10:00 bis 17:00 Uhr und am Wochenende von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet; Tickets gibt es im rechten Flügel des Palastes, ul. Kilińskiego 1. Der Garten ist frei zugänglich und zeigt die „Versailler“ Achse am besten — betreten Sie die Anlage durch das Tor, gehen Sie über den Ehrenhof und um den Palast herum zur Gartenfassade.
Godziny biura Muzeum UMB; zwiedzanie wnętrz wyłącznie z przewodnikiem po rezerwacji telefonicznej. Ogród pałacowy dostępny samodzielnie.
Trasa I (90 min, wnętrza pałacu): 35 zł, ulgowy 25 zł. Trasa II (60 min, bez wnętrz): 30 zł, ulgowy 20 zł. Przewodnik w cenie, obowiązuje rezerwacja telefoniczna (85 748 54 05).
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