Gärten
Warschau, Masowien

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Audio-Spaziergang durch Warschau — 13 Stationen, 2 davon kostenlos anhören
13 Stationen 90 Min. 2,9 km
Am 27. Mai 1727 öffnete König August II. der Starke den Garten seines Warschauer Palais für die Bürger der Stadt — damit entstand der erste öffentliche Park Polens. Hinein durfte jeder, der ordentlich gekleidet war. Heute umfasst der Sächsische Garten 15,5 Hektar zwischen dem Piłsudski-Platz und der Marszałkowska-Straße, mit dem Grabmal des Unbekannten Soldaten, barocken Skulpturen und einem Brunnen, an dem sich Warschauer seit Generationen verabreden.
Angelegt wurde der Garten 1724–1748 als geometrischer französischer Garten hinter dem Sächsischen Palais, auf der sogenannten Sächsischen Achse. Entworfen haben ihn die Hofarchitekten der Wettiner, die damals Sachsen und Polen regierten: Matthäus Daniel Pöppelmann — Schöpfer des Dresdner Zwingers — und Zacharias Longuelune, ab 1733 auch Carl Friedrich Pöppelmann und Johann Christoph von Naumann. 1748 ließ August III. hier ein Opernhaus errichten, das erste freistehende, eigens als Theater gebaute Gebäude Polens. Während des Kościuszko-Aufstands wurde der Garten verwüstet; 1816–1827 gestaltete James Savage ihn zu einem romantischen Landschaftspark im englischen Stil um, mit geschwungenen Wegen statt symmetrischer Parterres.
Jahrzehntelang war der Garten Warschaus Salon und Schaufenster für Neuheiten. Am 16. Juni 1855 ging die erste städtische Wasserleitung von Henryk Marconi in Betrieb; im Park entstand ein Wasserspeicher in Form des Vestatempels von Tivoli, auf der Hauptachse ein Brunnen, der bis heute erhalten ist. 1870 folgte ein hölzernes Sommertheater für über tausend Zuschauer, 1899 einer der ersten Spielplätze der Stadt, und vom 31. März bis 2. April 1902 zeigte der Erfinder Kazimierz Prószyński hier einige der frühesten polnischen Filme. Ab 1906 beleuchteten elektrische Laternen die Wege. Ganz frei war der Zutritt allerdings nicht: An jedem Tor stand ein Polizist, Betrunkene und „unordentlich Gekleidete“ wurden abgewiesen.
Seit dem 2. November 1925 ruht in den Arkaden des einstigen Sächsischen Palais ein unbekannter Soldat, der bei der Verteidigung Lembergs fiel. Die dreifache Arkade nach Entwurf von Stanisław Ostrowski ist der einzige Rest der Kolonnade, der die Sprengung des Palais durch deutsche Truppen Ende 1944 überstand. Am Grabmal stehen Soldaten der polnischen Armee Wache; die feierliche Wachablösung findet stündlich statt.
Im Juni 1862 scheiterte im Garten ein Attentat auf Alexander Lüders, den russischen Statthalter im Königreich Polen. Am 4. Mai 1942 sperrten die deutschen Besatzer den Park für Polen; im April 1945 wurde er, von Minen geräumt, wieder der Stadt übergeben. Ein Gedenkstein von 1927 erinnert an 200 Jahre öffentlichen Zugang.
Planen Sie für Brunnen, Skulpturen und das Grabmal 45–60 Minuten ein; am meisten sehen Sie, wenn Sie der Sächsischen Achse vom Piłsudski-Platz nach Westen folgen. Kommen Sie zur vollen Stunde, um die Wachablösung zu erleben. Der Garten liegt wenige Gehminuten von der Krakowskie Przedmieście und der Altstadt entfernt und lässt sich gut in einen Stadtrundgang einbauen. Der östliche Teil des Parks ist vom geplanten Wiederaufbau des Sächsischen Palais betroffen — 2023 wurde angekündigt, 60 Bäume zu fällen und 90 zu verpflanzen —, rechnen Sie dort also mit veränderten Wegen.
Eintritt frei
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