Denkmäler
Breslau, Niederschlesien

Audioguide
Station 11 von 13 · Diese Sehenswürdigkeit ist Station eines Audio-Spaziergangs
„Wir vergeben und bitten um Vergebung. Und siebzehn Tonnen Liebesschlösser.”
13 Stationen 90 Min. 3,5 km
Die Dombrücke in Breslau (Wrocław), auf Polnisch Most Tumski, verbindet die Sandinsel (Wyspa Piasek) mit der Dominsel (Ostrów Tumski), dem ältesten Teil der Stadt. Die grüne Stahlbrücke mit ihren Gaslaternen und dem Blick auf die Doppeltürme des Doms gehört zu den romantischsten Orten Breslaus – nicht umsonst heißt sie im Volksmund „Brücke der Verliebten“. Über sie beginnt der klassische Spaziergang durch das Domviertel.
An dieser Stelle gab es schon seit mindestens dem 12. Jahrhundert einen Übergang. Die Brücke markierte jahrhundertelang die Grenze zwischen städtischer und kirchlicher Gerichtsbarkeit. Überliefert ist ein Einsturz im Jahr 1423 während einer Palmsonntagsprozession.
Die heutige Brücke entstand 1889 anstelle einer Holzbrücke: eine zweifeldrige, genietete Stahlfachwerkkonstruktion nach dem System Gerber, angelehnt an einen preisgekrönten Entwurf aus Mannheim. Bis 1945 hieß sie Dombrücke – der Name ist bei deutschsprachigen Gästen bis heute geläufig. Bei der Belagerung der Festung Breslau wurde sie beschädigt; Einschussspuren sind noch sichtbar. Nach einer gründlichen Sanierung wurde sie im Februar 2020 wieder geöffnet.
Die Dominsel war das Zentrum des frühmittelalterlichen Breslau und ist seit dem Jahr 1000 Bischofssitz. Wer die Brücke überquert, wechselt bis heute spürbar die Welt: Kopfsteinpflaster, gotische Kirchen, Domherrenhäuser und kaum Autos. Gerade am Abend, wenn der Laternenanzünder mit Zylinder und Umhang seine Runde dreht, fühlt man sich in ein anderes Jahrhundert versetzt. Für viele deutschsprachige Gäste ist die Dombrücke außerdem ein Ort der Erinnerung, denn zahlreiche Familien haben ihre Wurzeln im alten Breslau und kennen den Namen „Dombrücke“ noch aus Erzählungen.
Die Brücke ist rund um die Uhr frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben. Für die Brücke selbst reichen ein paar Minuten, für die Dominsel solltest du 1–2 Stunden einplanen. Am stimmungsvollsten ist es in der Dämmerung, wenn die Laternen angehen. Morgens hast du die Brücke oft fast für dich. Der Belag ist eben – mit Kinderwagen oder Rollstuhl kein Problem; Autoverkehr ist nur mit Genehmigung erlaubt.
Vom Ring (Rynek) läufst du in 15–20 Minuten über die Markthalle (Hala Targowa), wo auch die nächste Straßenbahnhaltestelle liegt, zur Brücke. Wer mit dem Auto aus Berlin oder Dresden anreist, parkt besser außerhalb der Altstadt und erkundet das Zentrum zu Fuß. Der Weg vom Hauptbahnhof Wrocław Główny dauert zu Fuß gut eine halbe Stunde; schneller geht es mit der Straßenbahn bis zur Markthalle.
Hinter der Brücke führt die Domstraße (ul. Katedralna) zum Breslauer Dom St. Johannes der Täufer mit Aussichtsturm. Auf der Sandinsel steht die gotische Sandkirche (Kirche Unserer Lieben Frau auf dem Sande), und ganz in der Nähe liegt die Malzinsel (Wyspa Słodowa) mit Blick auf Fluss und Altstadt.
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Geprüft: Oktober 2026