Technikdenkmäler
Bytów, Pommern
Sechs Backsteinbögen auf Granitpfeilern überspannen das Tal der Boruja, als hätten die Baumeister Bytów ein römisches Aquädukt schenken wollen. Die Eisenbahnbrücke von etwa 1884 ist über 73 Meter lang und 16 Meter hoch, und lange hieß es, über sie sei nie ein Zug gefahren. Heute ist sie eine restaurierte Fußgängerbrücke und ein beliebtes Spazierziel der Einwohner.
Die Brücke entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Teil einer Bahnstrecke, die von Bytów (deutsch Bütow) Richtung Miastko (Rummelsburg) führen sollte. Eine lange erzählte Version besagte, es seien nie Gleise verlegt worden, weil die Strecke die Brücke angeblich „verfehlte“. Dokumente des polnischen Denkmal-Dokumentationszentrums, auf die Beamte bei der Übernahme der Brücke durch die Stadt stießen, zeigen etwas anderes: Die Brücke diente rund 30 Jahre dem Bahnverkehr, bis zum alten Bahnhof an der heutigen ul. Stary Dworzec. Als Bytów Anfang des 20. Jahrhunderts Eisenbahnknoten wurde und 1909 die Strecke nach Miastko entstand, baute man einen neuen Bahnhof und verlegte die Gleise auf einen Damm etwa 150 Meter weiter südlich.
Später fuhren Autos über die Brücke, danach nur noch Fußgänger. Die Stadt übernahm das vernachlässigte Bauwerk von der Bahn, begann 2017 mit der Sanierung und eröffnete es am 30. April 2019 neu, mit Beleuchtung. 2021 erhielt die Gemeinde dafür eine Auszeichnung im landesweiten Wettbewerb „Gepflegtes Denkmal“.
Eine örtliche Legende erklärt die Verlegung der Gleise anders: Beim Ausheben der Schächte für die Pfeiler im weichen, torfigen Boden brachen Wasser und Schlamm in einen Schacht ein und rissen einen italienischen Arbeiter mit. Die Kollegen konnten den Leichnam nicht bergen, bevor der Schacht mit Stein und Zement verfüllt wurde – deshalb sollten über die Brücke nie Züge fahren. Sicher ist, dass die Fundamente tief reichen, denn die Pfeiler mussten auf dem Sand unter der Torfschicht stehen. In den 1920er-Jahren zierte die Brücke einen Notgeldschein der Stadt Bütow über 2 Mark.
Die Brücke liegt im Süden der Stadt an der ul. Stary Dworzec, etwa einen Kilometer von der Burg entfernt. Den besten Blick auf das ganze Bauwerk haben Sie von der Talsohle am Fluss; das Gelände um die Brücke wurde nach der Sanierung als Erholungsort gestaltet. Abends lohnt sich ein zweiter Besuch, wenn die Beleuchtung eingeschaltet ist. Für den Weg über die Brücke und hinunter zur Boruja genügen 30–45 Minuten.
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