Burgen
Bytów, Pommern
Bytów, das frühere Bütow, war eine der letzten Burgen des Deutschen Ordens — und eine der ersten in diesem Teil Europas, die von Anfang an für Feuerwaffen geplant wurde. Ihre drei runden Türme mit Schießscharten, bis 1399 errichtet, gelten als die frühesten bekannten Türme Mitteleuropas, die für den Kampf mit Schießpulver ausgelegt waren. Heute beherbergen die Mauern das Westkaschubische Museum, ein Hotel mit Restaurant und eine Bibliothek. Die Kaschuben sind ein westslawisches Volk im Norden Polens mit eigener Sprache und Kultur.
Der Deutsche Orden kaufte das Bütower Land 1329, begann aber erst gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Bau einer gemauerten Burg auf einer Anhöhe im Südosten der Stadt, direkt an der Westgrenze des Ordensstaates. Die eigentlichen Arbeiten fanden 1398–1402 statt, um 1404 wirkte der bekannte Baumeister Nikolaus Fellenstein mit. Hochmeister Konrad von Jungingen besichtigte den Fortschritt mehrmals persönlich. Die Festung aus Feldsteinen und Ziegeln entstand auf einem Rechteck von 52,5 × 72,5 m; die ständige Besatzung zählte einige bis gut ein Dutzend Ordensritter mit Knappen und Knechten.
Die Mühlen-, Rosen- und Feldturm genannten Rundtürme (Młyńska, Różana, Polna) waren in den unteren Geschossen zum Hof hin offen. So konnte der Pulverdampf nach dem Schießen rasch abziehen — damals eine Neuerung und ein Vorläufer der späteren Basteien. Die vierte Ecke nahm der quadratische Pulverturm ein, der mit dem Konventshaus verbunden war. In diesem viergeschossigen Bau lagen im Erdgeschoss Bäckerei und Brauerei, im ersten Stock Remter, Kapelle und die Kammer des Pflegers; die beiden obersten Geschosse dienten als Speicher.
1466 gab König Kasimir IV. Jagiełło die Burg Herzog Erich II. von Pommern zu Lehen. Die Greifenherzöge errichteten 1560–1570 das Renaissance-Herzogshaus und 1623 das Witwenhaus. Während der schwedischen Invasion in den 1650er-Jahren wurde der Pulverturm gesprengt, die Burg brannte aus, nur die Außenmauern blieben. Ab 1657 gehörte sie den Kurfürsten von Brandenburg und später den preußischen Königen; im 19. Jahrhundert waren hier Gericht und Gefängnis untergebracht. Den Pulverturm baute man in den 1930er-Jahren wieder auf. Nach 1945 nutzte der sowjetische NKWD die Burg als Gefängnis und Durchgangslager für Bewohner der Umgebung. Der endgültige Wiederaufbau erfolgte in Etappen 1957–1962 und 1969–1990.
Das Westkaschubische Museum belegt den ältesten, nördlichen Flügel — das ehemalige Konventshaus — sowie zwei angrenzende Türme und einen Mauerabschnitt. Die Ausstellungen widmen sich der kaschubischen Kultur sowie der Ordens- und Herzogszeit. Im Renaissance-Herzogshaus befindet sich ein Hotel mit Restaurant, im Witwenhaus eine Bibliothek. Gehen Sie auch außen um die Burg herum: So sehen Sie die Rundtürme und die mächtigen Mauern am besten, deren Fundamente fast 3 m dick sind.
Die Burg liegt in der ul. Zamkowa 2, wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt. Für Museum und Rundgang um die Mauern sollten Sie 1–1,5 Stunden einplanen. Die Öffnungszeiten ändern sich je nach Saison, montags ist meist nur die ethnografische Dauerausstellung kostenlos zugänglich — prüfen Sie aktuelle Regeln und Preise vor dem Besuch. Eine Übernachtung im Burghotel lohnt sich, wenn Sie den Hof abends ohne Reisegruppen erleben möchten.
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