Kirchen & Klöster
Praszka, Oppeln
Über Generationen erzählte man sich in Praszka, die Kirche stehe auf Holzpfählen, die in den sumpfigen Boden gerammt wurden. Erst Untersuchungen im Jahr 2000 widerlegten die Legende: Die Steinfundamente ruhen auf gewachsenem Boden, Pfähle konnten höchstens die alte Holzkirche getragen haben. Die zweitürmige Kirche Mariä Himmelfahrt aus den Jahren 1872–1874 ist heute das wichtigste Baudenkmal der kleinen Stadt an der Prosna und Wallfahrtsort der Muttergottes, Königin des Heiligen Rosenkranzes.
Die Pfarrei reicht bis 1392 zurück, als König Władysław Jagiełło das Privileg zur Gründung der Stadt und zum Bau einer Kirche erteilte. Die kreuzförmige Holzkirche hatte sieben Altäre und einen Turm mit Uhr; 1720 erhielt sie eine gemauerte Sakristei, doch 1839 drohte sie bereits einzustürzen. Sie stand bis 1871.
Der Bau der neuen Backsteinkirche begann 1872 nach Plänen von Anzelm Krysiński; der Patronatsherr Stanisław Potocki trug ein Viertel der Kosten. Der erste Gottesdienst fand am ersten Adventssonntag 1873 statt, doch der Innenausbau dauerte noch zehn Jahre – auch weil die Zarenbehörden den Pfarrer Sobolewski absetzten (Praszka lag damals im russisch beherrschten Teil Polens). Bischof Aleksander Bereśniewicz von Włocławek weihte die Kirche am 2. Juni 1884. 1911–1913 kamen zwei Seitenschiffe mit verbindenden Arkaden hinzu, die Türme wurden um neun Ellen erhöht und mit Kuppeln bekrönt.
Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wurden auf den Kirchenmauern Gewehrstellungen eingerichtet. Bis 1940 duldeten die Besatzer Gottesdienste; danach wurden die Kirchenbücher geschlossen, die Kirche in ein Lager verwandelt und ihrer liturgischen Geräte beraubt. Am 6. Oktober 1941 verhafteten die Deutschen den Vikar Leon Poprawa, der ins Konzentrationslager Dachau kam.
Die Kirche steht auf einer Aufschüttung, die zum ehemaligen Sumpf hin von einer steinernen Stützmauer begrenzt wird, und der gesamte Platz ringsum ist ein alter Pfarrfriedhof mit erhaltenen Gräbern. Praszka selbst war über hundert Jahre eine Grenzstadt: Ab 1815 lag es im russischen Teilungsgebiet, unmittelbar an der Grenze zu Preußen.
Die Kirche steht in der ul. Senatorska 22. Sie ist eine aktive Pfarrkirche des Erzbistums Częstochowa – der Eintritt ist frei, das Innere sehen Sie am einfachsten vor oder nach der Messe. Für Malereien und Kapellen genügen 20–30 Minuten; bitte verhalten Sie sich während der Gottesdienste ruhig. Sehenswert in der Stadt sind außerdem das Regionalmuseum mit historischen, volkskundlichen und naturkundlichen Sammlungen sowie der Bahnhof von 1914.
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